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Frog Blog

31.1.06, 15:00 Uhr

Der Frei II, Beyond the Geist

Jetzt hab ich euch so viel von dem Film erzählt, eigentlich wollte ich doch von dem Kino erzählen. Vergessen. Egal, kann ich ja noch nachholen: Das war nämlich mal nicht nur riesig, wie so viele Kinos hier, sondern auch richtig schnieke ausgestattet. Naja, mein Geschmack von den Farben her war's nicht, aber es gab eine Wartelounge und auch direkt vor den Sälen waren überall Sofas und dahin ging man durch einen beleuchteten Tunnel, der wohl immer umdekoriert wird. Nur am Eingang war ich etwas irritiert, weil die Kassen irgendwo ganz weit hinten am Ende der Halle versteckt waren und vorne nur reihenweise Kartenautomaten standen. Die Wartelounge wurde von ihrer Bequemlichkeit her allerdings etwas eingeschränkt, weil der Mensch, der da auf dem Sofa neben mir schlief, nicht mehr ganz so gut roch. Ich hab dann einfach noch schnell 1,50 € für die glaub ich kleinste M&Ms-Packung bezahlt, die ich je gesehen habe und bin ab durch den Tunnel und war dann natürlich erfreut, dass dahinter auch noch Sofas waren.

Außerdem hingen überall Monitore, wo genau stand, in welchem Saal welcher Film läuft, mit Angaben wie „hat grade angefangen”, „ist in 10 Minuten zu Ende” oder „geht in 9 Minuten los”. Schick. Und dann ging trotzdem noch jemand rum und sagte einem Bescheid, als man dann in den Saal konnte.

Hat wohl seine Vorteile, wenn sich die 300 Kinos in Paris gegenseitig Konkurrenz machen. Wobei es sich auf die Preise nicht auswirkt, ich bin froh, dass ich nicht die vollen 9-10 € zahlen muss, sondern meist so um die 5-6 wegkomme als Student.

Immerhin wurde hier noch nicht mein Rucksack durchsucht wie in Paderborn und auch andere Kleinstadtphänomene wie ein minutenlanger Anschiss wegen Bei-rot-über-die-Ampel-Gehens seitens der Polizei ist hier wohl nicht zu erwarten (so passiert in Bad Driburg... und ich musste zu meinem verdammten Zug!).

Der Freigeist

Nachdem ich gestern mit dem Text fertig war, den ich schreiben wollte, hab ich mich mit etwas Kino belohnt. Es ging in The Libertine, der hier in Frankreich unter Rochester läuft. Das ist der Name der Hauptfigur, gespielt von Johnny Depp. Er ist der Bruder von König Karl II. von England, gespielt von John Malkovich. Rochester mag gerne Frauen im Allgemeinen und ist auch sonst für sein soziales Umfeld reichlich strapazierend.

Toll an dem Film ist sein Theater-Flair, auch wenn er grade mal nicht im Theater spielt. Bis auf die ständigen Nennungen von „fuck”, „cunt”, „member” etc. wähnt man sich in einem Stück von Shakespeare.

Auch die schauspielerische Leistung von Johnny Depp ist großartig. Er schafft es, einen schon in seinem Prolog zu begeistern und beweist dann Ausdrucksstärke in so vielen verschiedenen Situationen, dass man es nur bewundern kann. Auch Samantha Morton spielt phantastisch. Eine schlechte Schauspielerin „in der Lehre” zu spielen und zu zeigen, wie sie Fortschritte macht, finde ich immer noch eine der schwierigsten Sachen überhaupt (ohne allerdings großartige Erfahrung damit zu haben, das will ich zugeben).

Was ich allerdings nicht so gut haben konnte ist, dass Rochester mehr und mehr neben die Kappe kommt und sich das natürlich auch im Film niederschlägt. Und wie ich ja schon zu Büchern sagte, hab ich's gern etwas nachvollziehbar. Das hat den Film dann so im späteren Teil dann doch etwas anstrengend gemacht. Außerdem kam bei mir die Message nicht so richtig an. Aber dieser Kommentar schlägt auch vor, in den Film zweimal zu gehen, um ihn richtig zu verstehen. Naja, hier im Kino werde ich das wohl nicht tun, vielleicht mal im Fernsehen. Wann er allerdings in Deutschland im Fernsehen zu sehen sein wird steht noch in den Sternen, ist doch noch nicht einmal heraus, wann oder vielleicht gar ob er ins Kino kommt.

Die Kinostarts dieses Films sind nämlich einen Blick wert: Während er zuerst auf dem Toronto Film Festival im September 2004 (!) gezeigt wurde, da allerdings noch als work in progress, kam er erst im November 2005 in die Kinos, erst in Großbritannien, dann in Teilen der USA (das wusst ich auch noch nicht, dass es das gibt). Jetzt im Januar 2006 kam er in Frankreich und einigen anderen Ländern in die Kinos, im Februar auch in ein paar und dann im März schließlich unter anderem im Rest der USA. Von Deutschland steht da gar nichts; was auch immer das heißt.

Und wo wir grad bei Unterschieden den Film betreffend in verschiedenen Ländern sind: In Großbritannien und Irland ist er ab 18, in den USA hat er ein R-rating gekriegt, wobei das, wenn ich Wikipedia da richtig verstehe, heißt, dass er normalerweise ab 17 ist, in manchen Gegenden aber auch ab 18 oder sogar ab 21. In Finnland hingegen ist er ab 15 und in Frankreich schließlich... ganz ohne Altersbeschränkung. Vive la France! Ich glaube nämlich auch nicht, dass ein bisschen Sex auf der Leinwand (wo man ja nichtmal was gesehen hat außer vielleicht ner nackten Brust) und eine Wortschatzerweiterung in Richtung Unterleib der „Psyche eines Kindes” irgend einen Schaden zufügen können. Vielleicht der Psyche der Eltern, wenn sie mit einer Frage wie „Mama, was ist denn überhaupt 'ne Votze?” nicht umzugehen wissen. Davon ungeachtet glaube ich jedoch in der Tat schon, dass sich ein kleines Kind in diesem Film zu Tode gelangweilt hätte, aber das ist ja nicht das Kriterium, sonst hätten etliche Filme ja überhaupt keine Freigabe gekriegt ;)

30.1.06, 15:16 Uhr

Öfter mal was Altes

Mir ist in den Kopf gesickert, dass wahrscheinlich der Großteil hier die Updates am Artikel zur licence globale lange schon nicht mehr verfolgt, weil man ja nicht per RSS darauf gestoßen wird. Also eine kleine Erinnerung, dass das Gezerre weitergeht und sich langsam sogar Positionen erkennen lassen. Vielleicht wird es ja dann sogar Ende Februar schon was mit der Debatte... Vielleicht.

Ausgerechnet!

Ich glaube vor zwei Tagen ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass viele Stücke so völlig anders klangen, als ich es gewohnt war. Erst hab ich an eine andere Aufnahme bei Pandora geglaubt. Aber dann war das bei den Stücken auf meiner Platte auch. Plötzlich hörte ich Stimmen überdeutlich, die ich vorher nie bewusst wahrgenommen hatte, andere waren wiederum kaum noch zu hören. Erst hab ich geglaubt, dass ich ausversehen den Equalizer verstellt hätte, obwohl das schon extrem präzise klang für so ein bisschen Frequenzfilterung. Tja und gestern fällt es mir dann wie Schuppen von den Ohren: Ich höre nur noch den linken Kanal, die rechte Box in meinem iBook ist tot.

Ich wollte schon länger mal Boxen hier haben, die den Namen verdienen, aber jetzt hab ich noch eine Motivation mehr, das trotz knapper Haushaltslage anzugehen.

Aber ausgerechnet ein kaputter Lautsprecher! Ich hab ja insgeheim schon länger gehofft, dass mein neues iBook irgendwas hat, damit ich es einschicken kann und ein neues mit mehr RAM und so kriege. Aber eine kaputter Lautsprecher? Das löten die fest und gut. Toll. Und dafür entbehre ich mein iBook ewig lange? Das glaub ich nicht, Tim!

Und wobei ist dieser Lautsprecher kaputt gegangen? Gute Frage, anfangs hab ich mein iBook ja immer viel im Rucksack mit mir herum getragen und nie hat es ihm geschadet. Und in letzter Zeit steht es nur noch herum und ausgerechnet jetzt fällt irgendwie ein Draht von selbst ab oder so. Das soll einer verstehen.

Was gibt es sonst noch Neues? Meine Oma ist in Marseille bei einer Freundin und lässt es sich da am Meer ein paar Tage gut gehen. Südfrankreich versinkt dabei übrigens im Schnee, TGVs haben stundenlange Verspätung (der von meiner Oma nur 20 Minuten) und hier fällt keine Flocke. Dafür scheint die Sonne und ich kann sie nicht nutzen, weil ich am Wochenende meine Zeit verölt habe, sodass ich die zu erledigende Arbeit jetzt machen muss. In diesem Sinne.

27.1.06, 22:11 Uhr

Merkhilfe

Mein erster Impuls für die Überschrift war: „In eigener Sache” Aber dann fiel mir auf, dass es für einen Artikel in einem Blog über mich eigentlich keine bescheuertere Überschrift geben kann. Selbst wenn vielleicht sogar jeder sofort verstanden hätte, dass es um sowas wie Metablogging geht. „Merkhilfe” aber also und zwar deshalb, weil mir unter anderem beim Durchgucken der Suchbegriffe und durch zahllose Nachfragen aufgefallen ist, dass viele Leute immer noch Probleme haben, sich die URL für dieses Blog zu merken. Deswegen könnt ihr es ab jetzt auch unter http://www.froschblog.de/ erreichen. Ich hoffe, das freut euch :)

Im Berg des kaputten Rückens

Während ich ja wie vorhin erwähnt gestern die Uni noch ganz gut überlebt habe, war das heute mangels guter Vorlesung leider nicht möglich. Irgend ein Studi hat drei Stunden lang über Algorithmen zum Finden von Wasserscheiden referiert und wie man damit Zellen in Bildern finden kann. Und für ganz viele andere Sachen in der Bilbverarbeitung wäre das auch noch toll und... und ich war dann in Brokeback Mountain, dem Film, der bei den Golden Globes abgeräumt hat, in Venedig gewonnen hat und als Favorit für die Oscars gilt. Und das zu Recht! Endlich mal wieder ein wirklich guter Film, in dem ich war :) Da der Film in Deutschland erst Anfang März anläuft, ist die Chance groß, dass ihr noch nicht so viel darüber gehört habt, deswegen hier kurz die Geschichte.

Es geht um zwei Cowboys, die sich während der gemeinsamen Arbeit in der wunderschönen Landschaft um den Brokeback Mountain ineinander verlieben und um die Probleme, die ihnen ihr Umfeld anschließend macht (so es davon erfährt). Ich kannte vor dem Film nur den ersten Teil der Geschichte und hatte deshalb zu Anfang etwas Angst, wie spannend man so einen Trip in die Berge zum Schafehüten wohl erzählen kann. Aber er ist nur Auftakt und es wird im Zeitraffer das ganze Leben der beiden erzählt. Und das auf sehr fesselnde und eindringliche Weise.

Selbst als die Deppen von Diggnation den Film besprochen haben, kam er gut weg und das kann ja nur Gutes bedeuten ;)

Ich fand es aber auch ein interessantes Experiment: Ich hab mich gefragt, ob mich eine Liebesgeschichte mitreißt, wenn ich mich deutlich schwerer mit den Beteiligten identifizieren kann. Und tatsächlich fiel mir das anfangs schwer. Aber der Film wird schnell so mitreißend und die Emotionen so gut gespielt, dass es egal ist, ob die beiden jetzt gemischt- oder gleichgeschlechtlich sind. Also auf jeden Fall reingehen!

Aber tut euch einen Gefallen und geht auf Deutsch rein. Ich war echt auf die Untertitel angewiesen. Aber seitdem ich von zwei Amerikanern gehört habe, dass sie auch zum Teil die Untertitel bei englischsprachigen Filmen lesen müssen, find ich das nicht mehr so schlimm ;)

Heißwasserlotto

Meine Herren, gestern war ein Tag, ich bin überhaupt nicht zum Bloggen gekommen. Dann muss ich das heute wohl nachholen: Also der gestrige Tag war alleine deshalb schonmal etwas weniger belastbar, weil ich am Abend vorher ja auf einer Party in Torcy war. Und endlich mal wieder auf einer richtig guten :) Es waren schön viele Leute da und vor allem sind auch viele noch länger als bis halb eins geblieben, sodass ich nicht wieder meine Entscheidung bereut habe, den letzten Zug nicht zu nehmen. Außerdem waren sogar vier Franzosen da (das ist viel), was natürlich immer besser ist, um was zu lernen. Dabei ganz lustig: Eine davon, Caroline, war übrigens halb Deutsche (mütterlicherseits), hat, im Gegensatz zu mir und dem Französischen, als Kind sogar Deutsch gelernt, allerdings hat ihre Mutter wohl so ab dem sie vier war aufgehört, Deutsch mit ihr zu sprechen und sie hat es verlernt! Ich wusste gar nicht, dass das so einfach geht. Das ist ja fast noch bitterer, als es gar nicht erst gelernt zu haben. Auf jeden Fall hab ich mich interessant mit denen Unterhalten, unter anderem über die licence globale, über Sprachen und über Paris und dass es im Grunde den Franzosen hier so geht wie so vielen Leuten, dass sie nämlich durch die halbe Welt reisen, aber die touristischen Attraktionen vor ihrer Haustür einfach ignorieren, wenn sie nicht schulischerseits darauf gestoßen werden.

Später gab es dann das muntere Schauspiel des Balzverhaltens um eine neue Ungarin herum, die sehr hübsch und sehr betrunken war und wahrscheinlich aus beiden Gründen gleichermaßen von so ziemlich jedem ungebundenen (und ein paar anderen) männlichen Wesen am Platz angeflirtet bis angegraben wurde. Oder wie es ein Spanier, der nicht namentlich genannt werden möchte, zu fortgeschrittener Stunde unheimlich platt, aber gerade dadurch umso treffender, auf den Punkt brachte: „Everybody wants to fuck her. Me, too.”
Fragt mich im Übrigen nicht, warum er das auf Englisch gesagt hat, Englisch zu sprechen ist eigentlich ziemlich unüblich unter den hiesigen Erasmus. Wie auch immer war ich jedenfalls froh, dass ich schon vergeben bin! Sonst hätte ich mich unter Garantie auch an diesem entwürdigenden Schauspiel beteiligt und das wär ja nicht schön gewesen. Zumal sie am Ende übrigens doch alleine ins Bett gegangen ist ;)

Apropos ins Bett gehen, das hab ich dann so gegen vier auch gemacht, nachdem wir das Foyer, in dem zuletzt gefeiert wurde (die Spießer, die die an die viel gemütlicheren Flure angrenzenden Wohnungen bewohnen, wollen immer schlafen, deswegen müssen wir da früher oder später immer weg) aufgeräumt haben, weil wir zu den letzten gehört haben. Ich habe wie bei den beiden letzten Malen bei Miklós geschlafen (auch aus Ungarn, aber männlich). Der Komfort wurde aber sukzessive gesteigert, erst zwei Teppiche, um den Boden abzufedern, dann eine echte Isomatte und jetzt zuletzt sogar eine von einer Spanierin geliehene Luftmatratze. Jaha! Das war sogar so eine Doppelmatratze, sodass der Raum fast zu klein war, um sie unterzubringen. Außerdem lag keine vernünftige Anleitung bei und ich war nicht weise genug, die Besitzerin zu fragen, als ich noch die Gelegenheit hatte. Fataler Fehler, wie sich dann herausstellen sollte. Ich habe nicht genau auf die Uhr geguckt, aber ich habe mindestens eine halbe Stunde damit zugebracht, mein Nachtlager vorzubereiten. Die Freiheitsgrade, die mein alkoholisiertes Hirn überfordert haben: Drei Teile an der Matratze und drei an der Luftpumpe, wovon ich aber bis zuletzt nur zwei entdeckt habe. Und genau hierin lag natürlich das Problem. Zumal ich zwischendurch dann in meiner Verzweiflung auch noch des Ventil demontiert habe und das dann wieder mit einem Kuli reparieren musste. Wisst ihr, so ein Gummipinöpel, der an einer Stelle sägezahnförmig etwas dicker ist, damit er nicht so einfach aus dem Loch geht, in dem er gesteckt hat und noch schwerer wieder zurück. Und als ich endlich alles richtig ineinander gesteckt hatte, war ich mir darüber nicht so schnell im Klaren, weil die Fortschritte beim Pumpen zunächst kein bisschen zu sehen waren. Naja, ich hab's dann aber noch irgendwie geschafft und ganze vier Stunden geschlafen, dann bin ich nach Hause gefahren, wo meine Oma mir angeraten hat, mich nochmal ne Stunde aufs Ohr zu hauen, damit ich nicht direkt einpenne in der Vorlesung, die ich später am Tag noch hatte. Dem Rat bin ich nur zu gerne gefolgt und als ich dann wieder aus dem (deutlich komfortableren) Bett gekrabbelt bin, hatte meine Oma schon was zu essen heiß gemacht. Voll lieb! Und es kam so gelegen, weil ich eigentlich wirklich Hunger hatte, aber keine Zeit mehr, noch groß zu frühstücken. Also das tat so richtig gut :)

Die Vorlesung hab ich dann trotzdem nur mit einem Mokkachino überlebt (also doch keine Wortschöpfung von dem armen Verunglückten, wie ich erst dachte, das heißt wirklich so), der zwar überhaupt nicht schmeckte, weil ich doch keinen Kaffee mag, aber geholfen hat er trotzdem.

Auf dem Nachhauseweg kriege ich dann plötzlich eine SMS (Kann man SMSe auch nicht plötzlich kriegen? Egal.) von einem deutschen Handy, dessen Nummer ich aber nicht kannte:


Hallo Christian, wollen heut Abend zum Chinesen in der Nähe vom Hotel.
Hast du Zeit und Lust?


„Was zur Hölle?”, dacht ich mir dann spontan, weil ich überhaupt keine Ahnung hatte, wer das sein könnte, welches Hotel gemeint sein könnte und wenn nicht mein Name darüber gestanden hätte, hätt ich das wahrscheinlich für nen Fall von „falsch verbunden” gehalten. Naja, weitere SMS-Nachrichten haben dann aufgeklärt, dass es sich dabei um Melli gehandelt hat, einer Arbeitskollegin von Dani, die auch Silvester da war und die ich auch von anderen Gelegenheiten her schon kannte. Melli war in Paris, weil hier eine Messe ist, wo sie dekorieren muss. Eigentlich sollte den Job Dani machen, was mir natürlich noch deutlich lieber gewesen wäre, aber wegen ein paar firmeninterner Hässlichkeiten wurde daraus leider nichts.

Auf jeden Fall bin ich dann kurz zuhause vorbeigesprungen und dann gleich wieder los, weil das Hotel am Gare de l'Est lag und das ist am anderen Ende von Paris. Aber der Stress hat sich gelohnt, das war eine sehr nette Idee und irgendwie ein bisschen surreal, dass man sich mal grade so in Paris über den Weg läuft. Auf jeden Fall aber ein schöner Abend und die Kollegen, die noch dabei waren, waren auch sehr umgänglich und lustig. Im Bett war ich dann aber wieder erst um eins, weil wir dann nach dem Chinesen noch in der Hotelbar eingekehrt sind. Und das Klo in dem Hotel war ganz große Klasse, das hatte nämlich so einen Einhandmischer als Wasserhahn, sprich so einen Hebel, wo man Wassermenge und -temperatur bequem einsellen kann. Das mit der Temperatur war auch nötig, weil das Wasser erst viel zu heiß da raus kam. Aber habt ihr so einen Wasserhahn schonmal erlebt, wo es nach rechts hin heißer und nach links hin kälter wird? Ich kannte das nur umgekehrt und es hat etwas gedauert, bis ich wirklich überzeugt war, dass ich es immer nur noch schlimmer mache, wenn ich versuche, gegenzusteuern. In der Runde waren dann die Meinungen unterschiedlich, ob die Wasserhähne auf den Zimmern richtig- oder falschrum wären. Wenn sich keiner verhauen hat, hat dieses Hotel wohl so eine Art Warmduscher-Version von Russisch Roulette erfunden ;)

25.1.06, 18:36 Uhr

Erste Kontrolle

Ich war heute die ewigen Einzelfahrkarten leid und hab mir eine Carte Orange für die Zone 5 gekauft. Zumal ich heute Abend wieder davon Gebrauch machen kann, weil's endlich mal wieder zu einer Party nach Torcy geht. Wie auch immer, ich hab auch heute Morgen schon davon Gebrauch gemacht, indem ich nämlich – eigentlich trotz erheblicher Startschwierigkeiten (gibt's nicht Betten, die nur Abends gemütlich sind?) eigentlich noch erstaunlich gut in der Zeit – erstmal an Orsay vorbeigerauscht bin. Böse Zungen unter euch höre ich jetzt schon wieder lästern, dass das bestimmt an der hübschen Frau mir gegenüber gelegen hat, das kann ich aber widerlegen, die ist nämlich ausgestiegen, ich aber blieb – in mein Philosophiebuch vertieft – sitzen und war dann ganz froh, dass ich wenigstens dadurch nicht zum Schwarzfahrer mutiert bin. Ne Viertelstunde zu spät war ich aber doch. Und auf der Rückfahrt wurde ich dann – mit Ansage quasi – zum ersten Mal kontrolliert. Die sind erst auffällig am Wagen vorbeispaziert, um ihn dann von einer Seite zu stürmen. Dafür waren sie aber wirklich viele. Hab glaub ich noch nicht so viele RATP-Uniformen auf einem Haufen gesehen. Übrigens sind hier Jacken sehr beliebt hab ich den Eindruck, die Dunkelblau sind mit einem RATP-türkisen Streifen drauf. Sehr verwirrend. Die Uniformen waren aber echt und jetzt weiß ich auch, dass die tatsächlich für die Magnetomagic-Karten kleine Lesegeräte dabei haben, die aber zum Glück nicht kontrollieren (oder nicht kontrollieren können), ob man seine Karte von Fahrtantritt „validiert” hat. Heißt für mich natürlich, dass ich das in Zukunft auch nicht machen werde, wenn es nicht sein muss. Auch wenn mein Onkel mir versichert hat, dass es eine Gesetz gäbe, dass die Datensammlung verbiete, aber pfff, weißte... Also brauchte ich meine Carte Orange da dann nicht gleich (die ja noch mit herkömmlichen „Vorzeigen” funktioniert), aber trotzdem ein echter Komfortgewinn. Und die Carte Orange kann man sogar in der „falschen” Zone kaufen, wenn auch nicht am Automaten. Wow.

Nachtrag: Als heute bei der Rückfahrt der Bus eine alternative Route nehmen musste, weil die Straße gesperrt war, hab ich auch noch eine andere Premiere der eher tragischen Art erlebt: Das erste Opfer des Pariser Straßenverkehrs, das ich gesehen hab. Naja, der Arme sah nicht so aus, als wäre er in Lebensgefahr, er sah eigentlich nur aus, als würde er schlafen. Andererseits sollten Leute eben nicht mitten am Tage auf einer Route Nationale liegen und schlafen und sie sollten dabei vor allem nicht von ganz vielen Sanitätern umwuselt werden und mit einer dieser Glänzedecken zugedeckt sein.

„Was ist eigentlich mit...?” Teil 1

Was ist eigentlich mit mir und dem IRCAM? Gute Frage, ich hatte ja im Dezember auf meine Nachfrage hin die Nachricht bekommen, dass ich im Januar Nachricht bekommen würde. Im Januar habe ich dann deshalb nochmal nachgefragt und tatsächlich Nachricht bekommen, allerdings keine gute. Er hätte leider keine Zeit in den nächsten Monaten ein Projekt zu betreuen. Hmpf. Er hat mir aber angeraten, mich an den Leiter der Arbeitsgruppe Sound Design zu wenden, die ich übrigens selbst auch schon beim Begutachten der Seiten ins Auge gefasst hatte, weil die ziemlich viel machen, was mich interessiert. Also war ich gestern wieder im IRCAM, um mit diesem Menschen zu sprechen. Den besten Eindruck macht man immer, wenn man sich schon Vormittags aus dem Bett quält und dahin geht, was ich ganz entgegen meines studentischen Triebs auch gemacht habe. Da ich ja schon wusste, dass das IRCAM Hochsicherheitszone ist, wo man ohne den gelben Passierschein A38 nicht einfach so rein kann, habe ich also die Pförtnerin gefragt, ob sie vielleicht mal da anrufen könne. Und da die sogar ganz nett war, ging das alles ohne größere Probleme über die Bühne... leider ohne Erfolg, er war noch nicht im Institut eingetroffen.

Also hab ich mir überlegt, wie ich die Zeit bis zum Nachmittag totschlagen könnte, um es dann noch einmal zu probieren. Überlegenderweise habe ich ein paar Fotos von dem Brunnen vor der Tür gemacht, der nämlich halb zugefroren, aber noch in Betrieb war und dadurch echt toll aussah. Dann kam mir die Idee: Wo ich schonmal wieder Vormittags in der Stadt wäre, könnte ich ja auch wieder einmal von den günstigen Kinotarifen profitieren. Also ab in Jarhead, der lief im nahegelegenen Forum des Halles. Letzteres ist ein riesiges Einkaufszentrum, das an die Stellen der alten Markthallen im Zentrum von Paris getreten ist. Ich war da zwar schonmal, bin aber wieder verschwunden, sobald ich was zu essen gefunden hatte. Ich hatte ja keine Ahnung wie riesig das ist. Sagen wir mal so, ich wusste durch den Kinoführer, dass sich das Kino auf Ebene -3 befand und wie schwierig kann ein Multiplex schon zu finden sein? Haha, stupid me. Sagen wir mal so, auf Ebene -3 befindet sich nicht nur ein Multiplexkino sondern auch ein McDonald's, ein Quick, ein Starbucks, unzählige Baguetterien, über hundert Geschäfte, zwei Plätze, eine Métrostation und ein Schwimmbad. Naja, ich bin dann irgendwann nem Plan über den Weg geirrt und ab da ging's dann auch. Ich hab also das Kino gefunden, da war aber nur ein klitzekleines Häuschen mit zwei Kassen darin, in der einen hing schon ein Schild „Kasse geschlossen”, in der anderen war auch niemand, aber immerhin stand da jemand vor. Naja, ich mich also dahinter gestellt und auf die Rückkehr des Kassenmenschen gewartet. Wir standen da eine Weile, der Herr vor mir in der Schlange fuhrwerkte dann noch irgendwie in seinem Rucksack rum... und ging weg. Ich wollte ihn grade fragen, ob er denn schon lange gewartet hätte, dass er jetzt einfach geht, da fällt mein Blick auf die Kasse, vor der er gestanden hatte und vor allem auf das Schild darin: „Kasse geschlossen”

Ah, verdammte Tat! Müßig zu überlegen, ob mich der Mensch die ganze Zeit nicht wahrgenommen hat oder ob er sich die ganze Zeit gefragt hat, warum ich mich einfach in seine Nähe stelle. Ich bin dann in den unscheinbaren Eingang gegangen und hab die Abreißer gefragt, wo ich denn ein Ticket erstehen könne, weil an der Kasse keiner wäre. Die Frau von den beiden war erstmal völlig entsetzt, dass an der Kasse keiner wäre, aber dem Mann dämmerte dann, wo mein Irrtum gelegen hatte und verwies mich auf die Kassen eine Etage höher. Und tatsächlich gab es da gleich vier besetzte Kassen und jeweils einen Haufen Menschen davor, die da auch tatsächlich Kinokarten kaufen wollten.

Ich hab mir dann also Jarhead angeguckt und naja, irgendwie nicht so mein Film. Ich meine er war gut gemacht in sofern, als man sich hinterher genauso zermatscht und mitgenommen gefühlt hat, wie die Soldaten nach Monaten des Stumpfsinns in der Wüste, aber als Film als solcher hat er mich nicht wirklich mitgerissen. Es war allerdings schon interessant, diese Perspektive des Infanteristen auf einen Krieg zu sehen, der aus der Luft geführt wurde. Zumal der Film auf einem autobiographischen Buch basiert. Das macht dann Szenen, wie die Flugzeuge, die aus Spaß und Arroganz auf die eigenen Fußsoldaten schießen, noch... naja, noch was? Im Grunde noch schwerer zu ertragen und das brauch ich irgendwie selten. Also Fazit: Wer vergessen hat, wie scheiße Krieg ist, auch und gerade in Zeiten der „chirurgischen Kriegsführung”, der muss in diesen Film (dass man so ein Kandidat ist, merkt man unter anderem daran, dass man mit der CDU sympathisiert oder sich sonstwie für das Anzetteln eines Krieges einsetzt). Alle anderen können das auch gerne bleiben lassen.

Dann ging's also wieder zurück zum IRCAM. Den Weg aus dem Forum des Halles habe ich verhältnismäßig schnell gefunden, den Rückweg zur richtigen Métrolinie allerdings nicht. Jetzt muss man wissen, dass das Forum des Halles direkt an der RER-Métro-Haltestelle Châtelet - Les Halles liegt. Das Dingen ist der größte unterirdische Bahnhof Europas und genauso gut ausgeschildert wie viele Métrostationen in Paris... nämlich pas terrible, nicht gerade überragend. Unter anderem frage ich mich auch, was die Leute machen, die aufgrund ihrer Einmalfahrkarten nicht mal grade durch die RER-Barrieren rein und ein paar hundert Meter später wieder raus können, um dann zu den richtigen Laufbändern zur Métro zu gelangen. Ist ja auch egal, ich habe das zweite Labyrinth des Tages auch bewältigt. (Und dabei war die Minotaurusnummer dagegen bestimmt ein Klacks: Das war bestimmt weder auf 40.000 m2 wie das Forum des Halles und außerdem möchte ich auch nicht wissen, was die Menschenmassen mit dem Ariadnefaden gemacht hätten. Dem hätt ich keine 30 Sekunden gegeben, bis er sich als rote Fusseln im Wind verteilt hätte.)

Ich hab's also wieder zurück geschafft, stand aber dann vor dem Minotaurus einer anderen Pförtnerin. „Nein, er kennt mich auch noch nicht.” „Aber Sie haben ihm schon einen Mail geschrieben.” „Nein, ich dachte ich könnte einfach mal...” „*entsetzterTodesblick* Nein, Sie können nicht einfach hier reinspazieren, was glauben Sie denn.” „Ich wollt doch auch vorher mit ihm am Telefon sprechen!” „Ok, dann erklären Sie mir nochmal ganz genau, wer Sie sind, was Sie hier machen und was Sie wollen.” Meine Herren. Naja, ich hab dann mein Telefongespräch bekommen und durfte sogar glauch runterkommen. Natürlich würde mir die Pförtnerin das nie glauben und darauf war ich sogar vorbereitet, deshalb hatte ich zuhause im Wörterbuch nachgeschlagen, was „Pförtner” auf Französisch heißt. „Concierge” stand da als einzige Möglichkeit, also sag ich zum Abschluss am Telefon: „Ich geb Ihnen dann nochmal die Concierge, ja?” Woraufhin diese in Lachen ausbricht: „Ha! ‚Concierge’, das ist gut!” „Entschuldigung, ich...” „Nein, nein, ich find's ja lustig! Lachen ist gesund! ‚Concierge’...” Nachdem sie fertig war, hab ich sie dann nochmal gefragt, wie denn ihr richtiger „Titel” gewesen wäre. Antwort: „Ich hab' keinen Titel.” Ok, danke, das hat mir wirklich geholfen.

Zum Glück war der Herr, der mich empfangen hat dann aber deutlich umgänglicher und klang sehr aufgeschlossen. Allerdings hatte er wenig Zeit und wir wollen uns nächste Woche nochmal treffen. Bis dahin sollte ich ihm eine Mail schicken, wo unter anderem die Doku zu meinem letzten Projekt drin ist. Hab ich natürlich gleich erledigt, jetzt hilft nur Hoffen und Harren.

23.1.06, 23:01 Uhr

Please welcome...!

Seit ein paar Tagen ist Jan auch Teil der Welt des Bloggenden. Wenn ich an die Vielzahl von köstlich geschriebenen Mails zurückdenke, die von seiner Seite bisher kamen, freue ich mich schon enorm auf das Kommende :)

22.1.06, 19:51 Uhr

Hier können Sie nicht parken, gute Frau!

Neulich war ich Zeuge folgender Situation, die sich in Deutschland meiner Meinung nach höchstwahrscheinlich völlig anders zugetragen hätte: Ein Auto steht genau an der Einfahrt zu nebenstehend abgebildeter Busspur. Die Fahrerin sitzt zwar im Auto, macht aber auch keine Anstalten, da bald wegzufahren. Es ist viel Verkehr, wie eigentlich immer in Paris und an dieser Haltestelle kommen halt auch andauernd Busse vorbei, die aber in diesem Fall – und jetzt kommt der Clou – ohne mit der Wimper zu zucken statt der versperrten Busspur die normale Straße links davon genommen haben. Genauso Taxis, die auch das Recht haben, auf der Busspur zu fahren. Und selbst die Linie 68, die an der Haltestelle, von der das Foto aus aufgenommen ist und mit der ich immer nach Hause fahre, wenn ich aus der Stadt komme, selbst der Bus dieser Linie (der ja keine Wahl hat und zur Haltestelle durch muss) hupt nicht, sondern bleibt einfach hinter dem Auto stehen, macht sich einmal per Lichthupe bemerkbar und wartet dann in aller Ruhe, bis das Auto da weggefahren ist.

Ist das nur meine Intuition oder stimmt ihr da mit mir überein: In Deutschland hätte wahrscheinlich schon der erste Busfahrer, ob er da nun lang muss oder nicht, „aus Prinzip” einen riesigen Alarm geschlagen: Man kann doch nicht einfach auf der Busspur parken, was nimmt die sich heraus? Da könnte ja jeder kommen! Unverschämt sowas!

Da wäre bestimmt gehupt worden und bedrängt und vielleicht sich sogar aus dem Fenster gelehnt worden zum Rumbrüllen und wahrscheinlich hätten sogar die Leute an der Bushaltestelle die Gelegenheit genutzt, um den Kopf über die Frau zu schütteln und ihr Unverständnis zu äußern (außer natürlich, es wären Kinder oder Behinderte im Spiel gewesen, das schafft Verständnis und Einfühlungsvermögen).

Ich jedenfalls fand es erstaunlich und bewundernswert, dass die Bus- und Taxifahrer das einfach so hingenommen haben und keinen Krieg ausgerufen haben, weil man sie ihrer kostbaren Busspurrechte beraubt hat. Und noch mehr hat mich dann im Nachhinein natürlich erstaunt, dass es mich so erstaunt hat, dass die kein Aufhebens darum gemacht haben und die Frau einfach gelassen haben. Naja, jede Gesellschaft ist ihrer eigenen Deppen Schmied. Blöd nur, einer davon zu sein.

Nachtrag: Fragt mich bitte nicht, wer die Pömpel so zugerichtet hat!

Suchbegriffe

Endlich, die versprochene Suchbegriffeshow. Die Begriffe sind nach Häufigkeit sortiert, wobei die meisten nur einmal ergoogelt (oder ersonstwast) wurden. Die Idee zur Präsentation kam übrigens von Franziska. Es sind ziemlich viele, aber ich wollte halt die Diversizifizitizitität festhalten, mit der mein Blog erreicht wurde (zu meiner eigenen sehr großen Überraschung, aber seht selbst).

Beddinge
Tolles Klappsofa, kann ich empfehlen.

Abscheid

Ist ein Schreibfehler und bei mir bereits korrigiert.

Notengebung (in) Frankreich
Soll wohl ziemlich hart sein. Und wichtig für die Betroffenen. Da hatte ich doch tatsächlich eine Diskussion mit meiner Oma, die mir nicht glauben wollte, dass es in der Schule bei vielen Lehrern mehr nach Nase geht. Das käme in Frankreich nicht vor, meinte sie. Nee is klar. Also Vorsicht, hier gibt es ein Gottvertrauen in das erzkonservative Bildungssystem, das nicht mehr feierlich ist.

Schwager in Spee
Schönen Dank, Tobs! Platz 1 bei Google für diesen begehrten Suchbegriff. Hier gib's aber keine Schwager! Wer sucht denn überhaupt nach so etwas ohne was dahinter? Hochzeitsjunkies? Egal wer, egal wo, Hauptsache hin!

Beddinge Anleitung
Liegt eigentlich bei, ist aber auch ganz einfach. Zur Not schickt mir einfach eine E-Mail. Ich hab sogar ein Exemplar übrig, wenn ihr so viel Zeit habt.

Händedruck
Ich weiß ja nicht, was ihr sucht (weiß ich wirklich nicht), aber versucht's mal hiermit. Bei den Treffern gefällt mir am meisten das mit Händedruck der Woche betitelte Bild.

Indogermanisch
Spreche ich leider nicht. In meiner Blogroll ist aber ein schöner Link auf ein klingonisches Blog, das tut's vielleicht auch.

taz Werbespot
Endlich kann ich mal jemandem wirklich helfen. Der verbotene taz-Werbespot? Ist sehr gut, findet ihr hier.

Fischbacken
Da hört doch alles auf! Berk! Und da haben gleich zwei Leute nach gesucht. Widerlich!

Gehen auf Stöckelschuhen
Hab ich als Kind mal probiert. Ist nicht zu empfehlen.

Hermione Blog
Weiß ich so auch nicht... abervielleichtwennicheinbisschenhöherblogge? Oh und da in Hogwarts Computer nicht funktionieren, such doch auf einfach mal nach Emma Watson.

Was heißt hören auf Französisch
entendre oder veraltet auch ouïr. Aber vielleicht auch mal nach Wie sucht man mit Google googlen?

Staatentheorie
Da musst du Steve zu fragen.

BAFöG kurz vorher neues auto kaufen
WTF?

Warum werden die Franzosen frogs genannt
Ha, wieder einer für mich: Weil sie dem internationalen Volksmund nach Froschschenkel essen. File under „völlig realitätsferne Vorurteile” along with: Baskenmütze, Baguette unter den Achseln, gelbe Frontscheinwerfer.

schrift the frog
schrift yourself

Nachtbusfahrplan Bonn
Womit man alles Leute auf die eigene Seite kriegt. Au prima: Nachtbusfahrplan Berlin, Nachtbusfahrplan Hamburg, Nachtbusfahrplan München, Nachbusfahrplan Köln, Nachtbusfahrplan Düsseldorf, Nachtbusfahrplan Bremen.

erkoren Infinitiv
erkiesen

Christliche Wohnheime in Paris
Eieiei!

Wörter auf Französisch
Gibt's ne Menge. Die eintausend häufigsten hier.

konjunktiv von helfen
hülfe

einschreiben umschlag leer gerichtsurteil
Habicht, Lamm, grüne Wiese, Hurz!

Blumendeko für ein Fenster
Ich kenn da ne gute Dekorateurin, Mail an mich, ich vermittle ;)

liegend essen Römer
Ganz schlechte Idee. Neuesten Erkenntnissen zufolge war Sodbrennen bei den Römern eine Volkskrankheit. Und das führt auf Dauer zu Speiseröhrenkrebs. Lieber hinsetzen.

Fahrradweg im Winter
glatt

französisch Infintiv
französischen

Huxley unheimlich
Ja, ein bisschen.

Wort für Kreisverkehr
Äh, Kreisel! Rundfahrdingens, äh, Kreis..äh.. ach, ich weiß es doch auch nicht.

Tante erwischt
Ach! Das klingt ja interessant, lass hören :)

Rollstuhl kippeln
*lol* Ganz blöde Idee glaub ich!

Gruppensex
Scheiß Filmrisse immer. Und dann lösch ich Hirni auch noch den Blogeintrag aus falschem Schamgefühl heraus.

Verben Französisch mit Beispielen
Ich empfehle stattdessen lieber Lingofox.

iPod nano Fotos rauf machen
Duden makro Wörter raus lesen

Hitlerreden audio
Äch weiß nächt, wo es das gäbt, aber äch känne eine prrrrrrächtige Transkräptiohn.

Handschuhe von Orsay
Ist das sowas wie die heilige Handgranate von Antiochia? Muss ich ja mal Nachforschungen anstellen, Google kennt sie jedenfalls nicht.

Batterien
Gehören nicht in den Mülleimer. Und nicht in den Einkaufswagen, wenn Varta draufsteht.

Wer fotographiert mich akt
Ehem. Ich... also, ich... ich muss doch sehr bitten! .

Ron et Hermione ein Paar
Bestimmt im letzten Buch.

RER Paris gefaehrlich
Vor allem frontal.

Wetter Paris 17.11.05
Hey, das war ein netter Niederländer, der sich eine Viertelstunde lang durch mein Blog gelesen hat. Vielen Dank für dein Interesse, leider wusste ich am 13. Dezember nicht mehr, wie das Wetter vor nem Monat war.

Ein kurzer Gruß
Hi.

Warwalken
Ist lustig, Internet zuhause ist bequemer.

Foto einer deutschen Tastaturbelegung
Tut es auch ein Schema?

Map Themenpark Frankreich
Lass ich mal so stehen jetz hier.

Amüsante Geschichte zur Lichterkette
Hätte es bestimmt gegeben (für euch, nicht für mich), hätte ich mir nicht Mühe gegeben, dass die sich nicht verheddert. War trotzdem ne Schweinearbeit und ganz verhindern konnte ich es auch nicht, die dritte hatte dann einen Knoten... meine Herren. Leider kommt die Schwertlösung nicht in Frage.

unverstanden
Kann ich glaub ich wieder nur so im Raum stehen lassen.

pralle frauen links
Und rechts und überall... achso, Links, ja, hier bitte, da kannst du selbst bestimmen, wie prall sie sein sollen.

Franzosen essen Feiertage
Halte ich für ein Gerücht.

Ich habe vergessen Fahrkarte zu entwerten, was nun
Da hat jemand UMTS oder so. Deswegen ist es jetzt wohl auch zu spät. Aber für den nächsten: Keine Panik, ich wurde in den ganzen Monaten hier noch nie kontrolliert. Die kontrollieren normalerweise nur Schwarze und Araber, also wenn du nicht darunter fällst, brauchst du dir nicht so einen Kopf zu machen.

Voiture Gelegenheit
Occasion ist das Wort, occasion.

Prüfung in Orsay
Hat glaub ich was mit Handschuhen zu tun.

Selbstgemachte Weihnachtsdeko Schule
Siehe auch unter Blumendeko.

Antikes Kreta
Hat mit Stieren zu tun, nicht mit Fröschen.

Was schreibe ich meinem Onkel zum Geburtstag
Ey, Leute gibt's...

Offenes WLAN wie kann ich mich einloggen
Wenn es offen ist, brauchst du das nicht.

Finger Parkplan
*DÖÖÖT* Bitte spezifizieren Sie Ihre Anfrage neu.

Kommunikation unterwegs
Geht am besten mit zwei oder mehr Leuten.

iPhoto ist scheiße
Kann man denk ich so als grobe Annäherung so stehen lassen.

Zeter
und Mordio. Kann man schreien. War ursprünglich ein Hilfeschrei bei Überfällen, den der Betroffene zur Feststellung der Tat rufen musste. Die, die das gehört haben, mussten dann zu Hilfe eilen. Bräuche gab das...

Literatur am Ende
So schlimm isses nun auch wieder nicht.

Bildschirmschoner bunte Lichter
Vorsicht, Epilepsiewarnung ernst nehmen!

Abgefahrene bunte Muster
Albert Hofmann hatte seinen 100. Geburtstag :)

Über den Gebrauch des Wortes Scheiße
Gibt es einen guten Artikel von Hartmut El Kurdi.

Eiffelturm Dallas
Nein.

Ich spuckte ihr meinen Schleim in ihren Mund
Scheiße, bah!

Sahne-Gorgonzola-Soße Rezept
Kann man im Grunde nicht viel falsch machen: Eine Zwiebel kleinschneiden, glasig dünsten, mit Milch und Sahne ablöschen (lieber etwas mehr Milch, der Käse ist fettig genug), Käse reinkrümeln, Muskat sowie Salz und Pfeffer dran, fertig :)

Und zuletzt habe ich immer wieder Anfragen mit verschiedensten Suchbegriffskombinationen, was denn die Unterschiede zwischen dem Film und dem Buch Fahrenheit 451 wären. Den IMDB-Kommentaren nach zu urteilen: Too many to mention.

So, ich hoffe, ich habe jetzt vielen Menschen geholfen, die in Zukunft auf diese Seite finden. Viel Erfolg weiterhin ;)

Hey yo! Yo boat! FREEZE!

Ein kleiner Nachtrag über eine Entdeckung auf einem meiner letzten Spaziergänge. Da bin ich nämlich abends an einer Reihe bewohnter Schiffe vorbeigegangen und plötzlich machte es *klick* und wurde hell. ...... Das ist glaub ich der welterste Bewegungsmelder auf einem Boot gewesen!

21.1.06, 19:38 Uhr

Metrodramatisch

Ich habe heute einen langen Spaziergang am rechten Ufer der Seine entlang gemacht, von der Mitte Paris' bis fast zu seinem östlichen Rand, mit einem kleinen Abstecher, als sich mir der Canal Saint-Martin in den Weg geflossen hat, bis hoch zum Place de la Bastille, wo der Kanal unter der Erde verschwindet um dann erst weiter im Norden wieder hervorzukommen. Man kann wohl eine mehrstündige Bootstour über den ganzen Kanal buchen. Wenn es etwas wärmer ist, werd ich das mal machen. An der Seine-Mündung des Kanals ist ein kleiner Hafen, aber mir gefällt der obere Teil besser, auch von der Hafenatmosphäre her. Allerdings wohnen da halt auch nicht so viele Leute auf ihren Booten.Skateboardfahrer auf dem Place de la Bastille im Sprung Auf dem Place de la Bastille hab ich dann ein bisschen Skatern beim Üben zugeguckt und bin dann wieder richtung Seine und da weiter nach Bercy. Da gibt es eine riesige Halle und heute gab es da eine noch viel riesigere Menschenschlange davor. Und ich dachte immer, die Schlange vor meiner Mensa wäre groß. Aber da standen – keine Ahnung – etliche hundert Menschen. Ich konnte das Ende auch nicht sehen, das verlor sich irgendwann schlängelnderweise hinter Bäumen. Wahnsinn. Und anscheinend für eine gewisse Mylene Farmer, die ich nicht einmal kenne. Muss aber eine echte Bildungslücke sein.

Vogelschwarm über der Pont de la Gare bei BercyNaja, ich hatte wenig Lust, spontan noch zu versuchen, eine Karte zu kriegen ;) und bin dann noch ein Stückchen weiter zur Nationalbibliothek auf der andere Seineseite. Beim Überqueren habe ich dann gleich noch ein tolles Schauspiel gesehen: Nicht Menschenmassen waren es diesmal sondern eine immense Wolke – man kann es nicht anders beschreiben – aus Vögeln, die mit einem Wahnsinnstempo von einer Flussseite zur anderen gefegt sind, zwischen den Hochhäusern herumgewirbelt sind, dann wieder zurück zum Park... zoomt einfach in das Bild oben und versucht es euch vorzustellen. Die Wolke hat von einer Seite der Seine zur anderen gereicht und manchmal hat sie sich in zwei oder drei Schwärme geteilt, die dann in verschiedenen Geschwindigkeiten durcheinander gewirbelt sind. Als ich fertig war mit gucken und fotographieren, hatte ich schon ganz verheulte Augen von dem scharfen Wind auf der Brücke. (Aber die Luft roch gut, das ist selten genug in Paris!)

Dann bin ich in die neueste und erste vollautomatische Métrolinie in Paris gestiegen, die Linie 14. Hinten und vorne kann man direkt auf die Schienen gucken, kein Fahrer. Ich hatte ja erst gewisse Sicherheitsbedenken, aber es läuft ein Plexiglastunnel um den ganzen Schienenbereich und die Türen des Tunnels und die Türen der Métro schließen quasi nahtlos miteinander ab. Also hat man keine Chance, irgendwie seinen Fuß einzuklemmen oder sich gar auf die Schienen zu schmeißen. Das wäre auch echt eklig, weil man im ungünstigen Fall erstmal von fünf Zügen nacheinander zu immer feinerem Muß zerhackstückt wird, bevor mal jemand auf die Idee kommt, wegen der Sauerei auf den Schienen den Betrieb aufzuhalten.

Und wie um mir zu beweisen, dass diese neue Métro sogar noch sicherer ist, passiert gleich beim Umsteigen in die gute alte 6 ein Unglück! Naja, es ist niemand dauerhaft zu Schaden gekommen, aber ich war grade eingestiegen, da fing auf einmal von draußen ein kleines Kind an, wie am Spieß zu schreien. Also ich hab noch nie ein Kind am Spieß gehört, um ehrlich zu sein, aber ich bin mir sicher, dass es so klingen würde. Einige Leute haben dann auch schnell geschaltet und die Notbremsen gezogen. Direkt darauf sind dann auch die Freunde des Jungen richtung Fahrer geskatet und haben „Halt! Warten Sie!” gebrüllt. Um's kurz zu machen, der Junge hat sich irgendwie die Hand verletzt, ich weiß nicht genau wie und was das mit der Métro zu tun hatte, denn die Türen waren noch nicht zu. Vielleicht ist er sogar in den Spalt zwischen Métro und Bahnsteig gerutscht. Jedenfalls scheint ihm nichts Ernstes passiert zu sein, er durfte dann vorne beim Fahrer mitfahren, nachdem dieser mit einem speziellen Schlüssel durch den ganzen Zug gegangen ist und die Notbremsen wieder zurückgesetzt hat. Das geht ohne nämlich nicht, die rasten in der „unten”-Position ein, also kommt nicht auf die Idee, die Dinger einfach auszuprobieren, das endet nicht gut. In dem Fall war das aber wohl eine gute Idee.

Pont de la Gare vor der NationalbibliothekDer Rest der Fahrt verlief dann aber ohne Zwischenfälle, reichte auch erstmal. Ist schon etwas verstörend sowas. Und bei der Linie 14 wäre nicht nur so ein Unglück wohl nicht passiert, die Linie 6 fährt auch überirdisch über die schöne Brücke, die ihr hier nebenstehend abgebildet seht. Und da hätte ich mir schon so eine Panoramasicht vorne in der Métro gewünscht. In dem Tunnel, in dem die 14 bleibt, nützt die einem relativ wenig. Aber andererseits würde Paris auch was fehlen ohne die zu den Seiten offene Fahrerkabinen und ohne diese Drehpömpel an den Métrotüren, mit denen man sie öffnet.

20.1.06, 16:31 Uhr

Lord of War und 18 Mönche

Diese Woche ist es mir nicht vergönnt, viel in Vorlesungen zu sitzen. So hab ich mich heute morgen um halb acht richtung Uni gequält, wo ich um zehn vor neun auch ankam, nur um dann um viertel vor zehn die Nachricht zu vernehmen, dass der Prof nirgends auffindbar und weder auf dem Festnetz noch auf seinem Handy zu errreichen sei.

Auf der Rückfahrt strömten dann an einer Station plötzlich 18 Leute in den Zug, die aussahen wie tibetanische Mönche. Ein absolut surrealistisches Bild. Ok, sie hatten keine Kutten an sondern meist weite Sweatshirts, aber diejenigen, die keine Mütze trugen, hatten einen kahl rasierten Kopf und auch sonst stimmte die Optik genau, insbesondere auch, dass alle Altersstufen vertreten waren. Nur dass auch zwei Frauen dabei waren. Ob ich mir die Namensrechte an „18 Mönche” schützen lassen sollte? Klingt doch irgendwie nach was.

Aber ein echter Trost für die unnütze Rundfahrt war das auch nicht, deswegen hab ich mir einmal Kino geschenkt. Ist Vormittags auch billiger. Es ging in Lord of War, den neuen Film mit Nicolas Cage. Er spielt da einen schleimigen, verlogenen und manipulativen Waffenhändler namens Yuri Orlov und ist ziemlich gut gecastet. Nein, ich kann Nicolas Cage nicht besonders gut haben. Seine Gegenspieler sind ein anderer Waffenhändler (mit Stil), der von Ian „Bilbo” Holm gespielt wird und Ethan Hawkes als der Polizist, der Orlov jagt (auch mit Stil).

Und was soll ich sagen, ich find's eine tolle Idee, sich eines solchen Themas anzunehmen und dafür, dass man daraus eigentlich keinen Film machen kann, ist er super geworden, aber... als Film an sich fand ich ihn nicht überragend. Er hat mich nicht begeistert, er hat mich einigermaßen unterhalten, ja. Das Hauptmotiv ist in meinen Augen, zu zeigen, wie Orlovs Persönlichkeit funktioniert: Er liebt seine Frau und seinen Sohn, ist überhaupt ein ziemlicher Familienmensch, ist völlig fertig, nachdem er gezwungen wird, seinen ersten Menschen zu töten, findet immer neue Ausreden, warum es gut ist, was er da tut und im Endeffekt macht er es nicht für das Geld sondern für die Selbstbestätigung. Nie aber lässt er an sich heran, was er da eigentlich tut. Aber ich finde das alles nicht schlüssig und auch irgendwie nicht so wirklich interessant. Und schließlich fand ich eben die beiden Gegenspieler des Antihelden irgendwie charismatisch, selbst den anderen skrupellosen Waffenhändler, Cage aber nicht. Deswegen hätte ich gerne etwas mehr zwischen diesen Personen gesehen, nicht so sehr die ewigen Lügen von Orlov gegenüber seiner Frau oder seinen Umgang mit Diktatoren.

Alle Kritiken, die ich bisher gelesen habe, sprachen in den höchsten Tönen von diesem Film, ich bin ziemlich allein mit meiner Position, also lasst euch nicht abschrecken davon (sobald ihr die Gelegenheit dazu habt, der Film erscheint in Deutschland einen guten Monat später als hier). Und vielleicht gefällt er euch ja auch. Vielleicht interessiert euch das Thema mehr oder ihr mögt Nicolas Cage lieber oder findet die Persönlichkeit seiner Figur faszinierend. Oder einfach auch nur die Geschichte mitreißend. Bei mir war alles das nicht der Fall.

Nachtrag: Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt durchaus ne Menge Filme mit Nicolas Cage, die ich sehr toll finde. Der Mann hat halt ne Tendenz dazu, so zu gucken wie Jesus am Kreuz und das kann ich nich anne Waffel. Aber bei einem guten Drehbuch hätte das auch nicht so gestört, der Film hat mich definitiv an mehreren Stellen enttäuscht.

18.1.06, 19:10 Uhr

Licence globale: Historisches Zeichen ohne große Perspektive

Ich schrieb ja schon ein wenig über die licence globale. Ich will im Folgenden versuchen, auszuloten, ob sie noch Chancen hat in der kommenden Abstimmung und wie konkret die abzusehenden positiven Effekte sind, die die „missratene” Abstimmung im Dezember zur Folge haben wird.

Dazu zunächst ein Crash-Kurs zum französischen Gesetzgebungsverfahren und ein Überblick über die aktuelle Stimmenverteilung: Frankreich hat ein Zweikammernsystem. Das Unterhaus ist die Nationalversammlung, das Oberhaus der Senat (Der tagt übrigens in dem Palais im bekanntesten Park von Paris, dem Jardin du Luxembourg. Wer schonmal in Paris war, war da wahrscheinlich auch schon.). Die beiden Häuser haben aber die gleiche Macht und es müssen bei jedem Gesetz beide Teile des Parlaments zum selben Ergebnis kommen. Wenn sie verschieden abstimmen, geht das Ding retour zu der Kammer, die zuerst abgestimmt hat und sie darf nochmal entscheiden. Entscheidet sie wieder wie vorher: Hopp, zur zweiten Kammer, entscheidet diese wiederum auch wie zuvor... es gibt allerdings einen Vermittlungsausschuss. Die aktuelle Sitzverteilung seht ihr, der Wikipedia sei Dank, oben abgebildet. Die Sitzverteilung des Senats ist so ähnlich, nur konservativer. Konservativ bis rechts sind die UMP (Vorsitz: Nicolas Sarkozy) und die UDF. Die Parteien mit socialiste oder communiste im Namen sprechen glaub' ich für sich.

Sowohl die Abstimmung am 21. Dezember als auch die kommenden sind Abstimmungen in der Nationalversammlung. Der Senat wurde zu dem Thema wohl noch gar nicht befragt. So wie ich es verstehe, wurden gewisse Änderungsanträge der Opposition durchgekriegt, die Sitzung dann aber unterbrochen. Jetzt können einfach wieder weitere Änderungsanträge eingebracht werden, um schlimmstenfalls alles wieder auf null zu setzen.

Ganz so scheint es aber immerhin nicht zu passieren: Die Regierung hat jetzt an ihrer ursprünglichen Gesetzesvorlage ihrerseits Änderungen vorgenommen, die Basis der Wiederaufnahme der parlamentarischen Diskussion Ende Februar (siehe unten wegen der erneuten Terminverschiebung) sein werden.

Diese Änderungen und Spezifizierungen umfassen die folgenden Punkte (Quelle: Libération):

  • Die Strafen für Urheberrechtsverstöße werden auf ein vernünftigeres Maß gesenkt. Wo vorher kein Unterschied zwischen organisierter und geschäftlicher Praxis auf der einen Seite und den kleinen P2P-Nutzern auf der anderen gemacht wurde, so gelten für letztere nicht länger Strafen bis zu 300.000 € und drei Jahren Haft. Im Gegenteil, es heißt, dass Benutzer erst mehrmals schriftlich vorgewarnt werden sollen, bevor man sie belangt. Wobei so ein gestuftes Vorgehen auch vorher schon geplant gewesen sein soll, jetzt ist es aber ausdrücklicher verlangt. Und vorher endete das eben im Zweifelsfall im Gefängnis, nicht bei Geldbußen. Die sollen jetzt sogar im Falsch-Parken-Bereich anfangen.
  • Es wird keine „Netzpolizei” eingerichtet. Eigentlich sollte es eine neue Behörde geben, die als einzige Aufgabe gehabt hätte, Urheberrechtsverstöße aufzudecken. Das wird nun wohl von Seiten der Regierung nicht mehr für wichtig erachtet. (Kleiner Kommentar von mir: Vielleicht richtet man sowas ein, aber es kümmert sich um die echten Schweine im Netz: Kinderpornohändler, Phisher und Spammer.)
  • DRM und Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen bleibt illegal, solange dies im großen Maßstab erfolgt. Sprich: Software zu verbreiten, die so etwas ermöglicht, bleibt strafbar (bis zu 100.000 € und ein Jahr Haft, vorher war es jeweils das dreifache), einen Kopierschutz zu knacken, um beispielsweise Musik aus dem iTunes Music Store unter Linux zu hören, ist ausdrücklich erlaubt. Nein, ich verstehe auch nicht, wie die sich das vorstellen. Man darf z.B. mit dem MPlayer allen DRM-Kram hören, aber den Patch muss man selber schreiben? Sehr seltsame These. Entweder nicht genug nachgedacht oder eine Alibi-Wahrung des Rechtes auf Privatkopie.
  • Man darf wie bisher vorgesehen bis zu fünf (Hausnummer) legale Privatkopien von heruntergeladenen, urheberrechtlich geschützten Werken machen. Und das wie gesagt auch dann, wenn sie kopiergeschützt sind. Bei CDs und DVDs wird diese Zahl aber eventuell sogar noch kleiner sein. Auf die Schizophrenie dieser Kopienfeindlichkeit habe ich ja schon hingewiesen.
Klingt also im wesentlichen zwar besser als vorher, aber immer noch daneben. Und das beste daran: Damit ist jetzt niemand mehr glücklich, weder die eine noch die andere Seite (Quelle: L'Expansion).

Jetzt also die Preisfrage, hat die licence globale noch eine Chance? Die kurze Antwort darauf lautet wohl: Wahrscheinlich nicht. Die etwas längere: Wahrscheinlich nicht... aber wer weiß?

Das politische und Medienecho auf die Abstimmung im Dezember war ziemlich heftig (zumindest wenn man bedenkt, dass das Thema eigentlich keine Sau interessiert) und meist (also in den großen Medien, abseits davon sieht's besser aus) wird nur gesagt, wie schlimm das wäre und wie sehr die Künstler dagegen wären (kommt auf die Künstler an) und man könne doch etwas illegales nicht legal machen (siehe hierzulande auch das Argument der FDP), wo kämen wir denn da hin. Vor allem werden Anhänger der Kulturflatrate jetzt gerne in die Spinner-Ecke gestellt. Es gibt allerdings auch in den großen Medien lobenswerte Ausnahmen.

Ein Argument allerdings, das mir besonders gefällt und das immer wieder kommt: Wenn überhaupt, müsse die monatliche Abgabe 70 € betragen und nicht 7 (oder 4 oder 10), wie bisher geplant. Aha. 70 Euro. Pro Monat, pro Person. Wer hat denn da versucht, zu rechnen? Um die Industrie und die Künstler so wie bisher am Leben zu erhalten, müsste jeder Internetnutzer doch einfach nur das an Pauschale zahlen, was ein durchschnittlicher Plattenkäufer und Kinogänger früher im Monat ausgegeben hat (wohlgemerkt nur dann, wenn alle Leute mit Internet gar nicht mehr ins Kino gehen und auch keine CDs und DVDs mehr kaufen). Und das sollen 70 € sein? Da zieh ich den Durchschnitt aber ziemlich runter, ich kauf mir weniger als eine CD im Monat und gehe vielleicht zwei- oder dreimal ins Kino im Schnitt. Da müssen am anderen Ende der Skala einige aber ganz schön zulangen. Und ich glaub nicht dran. Abgesehen davon hat doch keiner ein Interesse daran, die Plattenindustrie am Leben zu erhalten. Gut, da kommt dann natürlich sofort das Argument mit den Arbeitsplätzen. Aber dem widme ich mich lieber in einem anderen Artikel irgendwann.

Wie auch immer, bei dem medialen und politischen Gegenwind muss man jetzt schon recht standhaft sein, um als Politiker nicht sein Fähnchen nach dem Sturm zu drehen. Die einzige Hoffnung ist, dass viele Abgeordnete genau deshalb bei ihrer Entscheidung bleiben, weil sie nicht als Opportunisten dastehen wollen. Oder, falls sie damals nicht mit abgestimmt haben, wollen sie vielleicht nicht einfach den Spitzen ihrer Partei folgen. Die Abgeordneten der UMP schweigen jedenfalls oder äußern sich gegen die licence globale, die Sozialisten sind zerstritten; so oder so sind aber die jeweiligen Parteispitzen gegen die licence globale. (Quelle: Ratiatum.com). Aber es waren ja eh nur ungefähr 10% der Abgeordneten anwesend in dieser Nacht des 21. Dezember. Was mit den vielen Abgeordneten sein wird, die wohl zur Abstimmung getreten werden, sich aber bisher nicht geäußert haben? Keiner weiß es genau.

Wenn die Abstimmung in Deutschland wäre, wäre ich mir aber praktisch sicher, dass das Projekt tot wäre. Parteidisziplin und die Angst vor tobenden Parteispitzen wäre viel zu groß. Aber in Frankreich ist das nicht so sicher. Wie groß aber die Chance ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich halte sie jedoch auch hier für sehr, sehr klein.

Was wirklich nervenaufreibend daran ist: Wir wissen es eben erst genau, wenn die Abstimmung gelaufen ist und das wird jetzt offenbar noch länger dauern. Erst Ende Februar, Anfang März, nach der nächsten Pause des Parlaments soll die Debatte jetzt laut abeilleinfo.com weitergehen. Der Grund: Die UMP und die Sozialisten wollen sich erst jeweils innerparteilich einig werden.

Oh und eine Sache, die ich noch gar nicht thematisiert gefunden habe: Selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass das Ding durch die Nationalversammlung kommt, dann ist da immer noch der Senat. Halleluja.

Update 19. Januar: Lionel Thoumyre, Jurist und Mitglied der Künstlervereinigung Spedidam, glaubt, dass grade durch die ganze Lobbyarbeit und den Wirbel, der gemacht wird, um die licence globale kaputt zu reden, Abgeordnete zum Widerstand gegen diese hässliche Kampagne verleitet werden.

Dieser Artikel aus „La Vie Numerique” („Das digitale Leben”), sagt zwar auch, dass man, entgegen dem ersten Anschein, die licence globale noch nicht als tot und begraben betrachten soll – mehr als eine Sammlung von Argumenten für die Lizenz kann ich da aber nicht als Begründung herauslesen. Um Argumente geht es in dieser Debatte aber leider ja nur zweitrangig. Der Artikel beinhaltet aber auch den mit Abstand längsten Satz, den ich bisher im Französischen gesehen habe, vielleicht haben sie die Begründung darin irgendwo versteckt ;)

Update 20. Januar: Im Blog Écrans, wird von noch einer Änderung am Gesetzestext berichtet, die an anderer Stelle schonmal anklang, nämlich dass DRM-Systeme, die es nicht erlauben, die wenigen Privatkopien, auf die man ein Anrecht hat, zu machen, verboten werden sollen.

Update 23. Januar: In der Libération schreibt ein Prof von meiner Zweituni in Orsay heute, dass er durchaus für die licence globale wäre, allerdings nur als Übergangsregelung für drei oder vier Jahre. Danach solle sie neu bewertet und eventuell durch ein neues, besseres System abgelöst werden. Wie genau das aussehen soll, entnehme ich dem Artikel aber leider nicht.

Update 28. Januar: Vorgestern war ein positiver Kommentar zur licence globale in der Tageszeitung, die umsonst in der Métro ausliegt und von vielen gelesen wird und wo es die licence globale ja sogar aufs Titelblatt geschafft hat, als Sarkozy dazu Stellung nahm. Trotzdem ist meine bisherige, nicht repräsentative Erfahrung, dass nur wenige Leute überhaupt mit dem Begriff etwas anfangen können. Ungefähr die Hälfte derer, mit denen ich gesprochen habe, wussten auf Anhieb, was ich meine und dabei sind das ja nun tendenziell eher die Computer-Geeks.

In diesem schönen Streitgespräch in Libération werden verschiedene historische Parallelen aufgezeigt, wann zuletzt der Untergang des Musikmarktes heraufbeschworen wurde: Bei der Einführung der Schallplatte (die Partiturenvertreiber sahen sich am Ende), bei der Einführung des Radios (die Schallplattenhersteller sahen sich am Ende) und mit dem Aufkommen des Kassettengeräts (wieder das Ende der Schallplattenhersteller). Und jetzt stellt euch einen Plattenmarkt ohne Radio vor! Oder einen Musikmarkt ganz ohne Platten! Und es gibt inzwischen auch verschiedene Untersuchungen, dass die Leute, die am meisten Musik illegal herunterladen auch am meisten CDs kaufen. Radiohörer sind Verbrecher, hm?

Im Senat gibt es am 1. Februar einen runden Tisch, an dem Verbraucherorganisationen, Industrievertreter, ISPs und Vertreter von Freier Software teilnehmen sollen. Presse und Öffentlichkeit sind außerdem eingeladen, der Diskussion beizuwohnen. Und im eben verlinkten Artikel ist entsprechend auch gleich ein Aufruf enthalten, da zahlenmäßig richtig was herzumachen ;)

Derweil gibt es immer noch keinen exakten Termin, wann die Debatte in der Nationalversammlung um das Thema wieder losgeht, die Beteiligten haben sich noch nicht geeinigt. Sobald ich aber etwas höre, wisst ihr Bescheid.

2. Update 28. Januar: Wie PC entraide schreibt, hat die Regierung sich jetzt endgültig für einen Gesetzesentwurf entschieden, den sie bei Wiederaufnahme der Diskussion irgendwann Anfang März einbringen will. Viel hat sich nicht geändert, es sind vor allem Präzisierungen. Hier eine kurze Übersicht:

  • Privatkopien kosten 150 € Strafe, wenn sie die zulässige Anzahl übersteigen
  • Die Strafe auf Herstellung oder Verbreitung von Kopierschutzumgehungsmaßnahmen beträgt 100.000 € bzw. 1 Jahr Gefängnis
  • Illegaler Upload wird mit 38 € Strafe sanktioniert
  • Die Anzahl an erlaubten Privatkopien wird nicht durch ein Gesetz geregelt sondern durch eine Vermittlungskommission, die sich auch nicht dauerhaft auf eine Zahl festlegt, sondern diese immer wieder ändern kann
  • Schließlich sagt der Artikel noch was über „Piraten”, denen 7.500 € Strafe blüht, aber wie genau ein Pirat definiert ist, wenn er grade keine Schiffe überfällt, steht da nicht. Nur etwas von „böswillig motivierten Handlungen”, die dazu nötig seien, aber wenn das ein juristischer Fachausdruck ist, dann kennt Leo ihn nicht.
Update 30. Januar: Ja, ich weiß auch, dass ich hier besser eigene Artikel draus gemacht hätte. Das hätte unter anderem den Vorteil gehabt, dass das hier dann auch irgend ne Sau gelesen hätte. Aus dem RSS-Feed, aus dem Sinn. Naja, nu isses zu spät, was gibt's also heute Neues? Die sozialistische Partei (PS) hat sich zu Wort gemeldet und einen „dritten Weg” vorgeschlagen. Damit müssen sie einen vierten meinen, den dritten hat Sarkozy ja vor gut zwei Wochen schon vorgeschlagen. Die PS könne sich weder mit DRM noch mit der licence globale anfreunden berichten Silicon.fr und Génération NT. Mit letzterer deshalb nicht, weil sie auf lange Sicht das Urheberrecht an sich gefährde.

Tja, aber wenn nicht hüh noch hott, was dann? Die PS schlägt die Einrichtung eines „regulierten öffentlichen Freiraums” (espace public de liberté régulé) im Netz vor. Ja, die Übersetzung hinkt, wenn ihr eine bessere habt, nur her damit. So oder so ein sehr heikler Ausdruck wie ich finde, im Endeffekt ist es ja nun kein regulierter Raum, sondern regulierte Freiheit. Was sich dahinter verbirgt ist allerdings nicht heikel sondern alt: Eine Plattform, wo Musikschaffende ihre Werke zum Download anbieten können, wenn sie das wollen. Vom Erlös soll ein Drittel des Geldes an die Autoren gehen, ein Drittel an die Interpreten und ein Drittel an eine öffentliche Einrichtung zur Kulturförderung. Genauer gesagt soll es verschiedene derartige Plattformen geben können. Die aber, die auf P2P-Basis arbeiten, müssen Möglichkeiten bieten, den Austausch am System vorbei verhindern zu können. Das aber wohlgemerkt ohne DRM, das soll nämlich in Frankreich nach Wunsch der PS ganz verboten werden.

Update 1. Februar: Auf eine ähnliche Position wie die PS stellt sich auch Hubert Guillaud, der Autor eines Artikels auf InternetActu.net. Er meint, dass DRM keine Zukunft haben darf, aber kritisiert, dass die Diskussion zwischen der pro-DRM- und der pro-licence-globale-Position festgefahren ist. Er findet, dass P2P als Medium zu singulär dargestellt wird und man stattdessen der Diversität der Kundenwünsche mit einer Diversität der Angebote entgegen kommen sollte. Dies würde auch der derzeitigen Diskussion aus der Sackgasse helfen.

Update 5. Februar: In Paris wurde vergangene Woche ein nachgewiesener Verbrecher einfach freigesprochen. Genauer gesagt ein Raubkopierer. Dass Leute freigesprochen wurden, weil sie nur runtergeladen haben und das irgendwie unter legale Privatkopie fiel, das ist wohl schon häufiger vorgekommen, so Silicon.fr, aber dass er trotz des Uploads nicht verurteilt wurde, hat er einem Richter zu verdanken, der sehr richtig gesehen hat, dass man bei Kazaa nicht runterladen kann, ohne gleichzeitig auch etwas hochzuladen. Spitze :) Ich meine wenn die Situation nicht wäre, wie sie ist, würd ich sagen, der Richter hat irgendwie den Schuss nicht gehört. Aber so nehm ich das einfach mal als Statement gegen das Gebahren der Medienindustrie.

Apropos, 30 Produzentenvereinigungen in ganz Europa haben sich nach einem Bericht von EchosDuNet zusammengetan, um einen Brief an Jacques Chirac zu schreiben. Natürlich um ihn aufzufordern, doch wieder diese albernen Rechte der Internetnutzer zu vergessen. Unter anderem auch die deutsche Arbeitsgemeinschaft Neuer Deutscher Spielfilmproduzenten. Deren Wir-über-uns-Abschnitt ist einen Blick wert.


Ziel der AG ist es, die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Mitglieder. Dazu ist die AG in erster Linie auf
nationaler aber auch auf internationaler, insbesondere auf europäischer Ebene tätig. Ihre Gesprächs- und Verhandlungspartner sind vor allem:
[...]
  • die für Film und Medien zuständigen Abgeordneten des Deutschen Bundestages und die Vertreter des Bundesrates,
  • die für Film und Medien zuständigen Minister und Referenten von Bund und Ländern,
  • die Partner in den öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern,
[...]
  • die Gewerkschaften,
  • die für Film und Medien zuständigen Abgeordneten des Europäischen Parlaments.
[...]
Die AG verfolgt folgende Ziele und arbeitet an [...] der Verbesserung des Urheberrechts zur Stärkung der Rechtsposition und zum Schutz der Verwertungsrechte der Filmproduzenten, kontinuierlich zu verbessern.
[...]
Zur Durchsetzung ihrer Ziele ist die AG mit Sitz und Stimme vertreten in [lange Liste].


Finde jetzt nur ich dieses „Gesprächs- und Verhandlungspartner” unter anderem ziemlich unheimlich? Warum soll man so eine Liste machen, wenn man einfach je nach Thema an einen x-beliebigen, passenden Abgeordneten schreibt? Klingt für mich mehr nach Stammkundschaft :/ Naja, das eine muss man ihnen zugute halten, sie nehmen kein Blatt vor den Mund, dass sie ein verdammtes Lobbyistenpack sind!

Update 7. Februar: Endlich in einem eigenen Artikel.

Über die Kleidung

Ich habe ja schon geschrieben, dass ich bisher nicht finden konnte, dass das Vorurteil mit dem Franzosen als Feinschmecker besonders weite Kreise in der Bevölkerung zöge. Was allerdings meinen Beobachtungen nach durchaus ein bestätigtes Vorurteil ist, ist die Modestadt Paris. Ich weiß nicht, ob man hier deutlich mehr abgefahren angezogene Menschen sieht als zum Beispiel in Berlin. Aber man sieht mit Sicherheit mehr gut angezogene Menschen. So wünschte ich, ich hätte ein Foto machen können, als heute jemand in den Zug stieg: Der Mann war schwarz und trug einen mittellangen Nadelstreifenmantel aus einem Material, das aussah wie sehr kurzer Samt oder so. Und der Schnitt war auch atemberaubend gelungen. Dazu sehr lange Schuhe, was ich so auch noch nicht gesehen hatte, aber trotzdem echt gut aussah. Wow.

Und solche Erlebnisse hatte ich schon häufiger. Nein wirklich, hier laufen enorm viele Leute rum, die sich sehr individuell und sehr gut anzuziehen verstehen. Die Frauen finde ich durchgehender gut angezogen als die Männer, sodass ich da aber auch selten so ein „Wow!”-Ereignis hatte. Nicht durch die Kleidung jedenfalls ;) Aber das mag wie gesagt daran liegen, dass man hier einfach fast keine Frauen findet, die schlecht angezogen wären. Und ebenso gehört es zum Standard, sich gut schminken zu können. Wenn man hier eine Frau sieht, bei der einen die Farbe im Gesicht gleich anspringt, dann ist es fast sicher eine Touristin.

Klamotten shoppen macht in Paris aber glaub ich nur dann Spaß, wenn man die entsprechende Asche hat. Ich war mit Dani das eine oder andere Mal unterwegs und entweder man bewegt sich in Gegenden, wo die Kleidung im Grunde mehr oder weniger so aussieht, wie man das gewohnt ist oder man bewegt sich in Gegenden, wo man beim Erwerb eines Mantels das Geschäft gratis dazu kriegt. Aber da sind dann zum Teil echt tolle Sachen bei: So haben wir einen Anzug gesehen, der im Stil des frühen 19. Jahrhunderts geschnitten war. Ich hab keine tollen Fotos im Netz gefunden, um das zu visualisieren, aber wenn ihr „Les Misérables” gesehen habt, wisst ihr, was ich meine. (Wenn nicht, solltet ihr das eh mal machen ;) Jedenfalls sehr schlank und sehr geil und man trägt einen dieser hohen Zylinder dazu. Wenn ich es mir dann leisten kann, weiß ich glaub ich schon, was ich tragen werde, wenn ich irgendwann mal heiraten kann. Mit „leisten können” meine ich in dem Fall dann aber nicht den Preis sondern den „schlank”-Part ;)

Und was mir persönlich besondere Genugtuung verschafft: Ich proklamiere schon seit längerem, dass Hüte eigentlich wiederkommen müssten. Ich selbst würde schon länger einen tragen, wenn ich nicht so feige wäre ;) Aber, glaubt's mir oder nicht: Hier laufen mir ziemlich oft junge Leute über den Weg, die einen Hut tragen. Ok, die Art der Hüte finde ich nicht so prickelnd, eher so kleine, in meinen Augen unproportionierte. Aber mein Gott, Hauptsache der Zeitgeist ist mit mir einer Meinung.

Ich werde mir also wohl jetzt auch endlich einen Hut zulegen, allerdings erst dann, wenn ich dazu eine zweite Meinung eingeflogen habe. Aber mir schwebt sowas Humphrey-Bogart-mäßiges vor.

PS: Was jetzt noch fehlt ist, dass auch sonst die Mode dieser alten Gangster-Schinken wieder aufgegriffen wird. Ich meine, im Anzug auf der Straße rumlaufen, yeah, das isses doch! Und vor allem bitte, bitte nicht in einem ewigen 60er-70er-80er-Zyklus festsitzen!

Rin inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln

Oh Mann, „Was man nicht im Kopf hat...” trifft es irgendwie in dem Fall noch nicht ganz. Ich mach mich heute auf den langen Weg nach Orsay, kämpf mich durch den Wald den Berg hoch, der heute rutschig war wie noch nie, leg mich dabei auch einmal fast hin, komme noch fast pünktlich zu meiner Vorlesung... nur um festzustellen, dass ich der einzige bin. Dunkler Raum, sowas verunsichert. Ein Blick auf den Stundenplan verrät mir, dass es entgegen meinem Wunschdenken eine Vormittags-, keine Nachmittagsvorlesung gewesen wäre. Und eben dieser Stundenplan war auch Ursache allen Übels. Da wo ich herkomme, trägt man auf der Waagerechten die Wochentage ab und auf der Senkrechten die Tageszeit. Am Schnittpunkt findet sich dann die entsprechende Veranstaltung. Bei diesem Stundeplan aber, ist die Senkrechte die Zeitachse und die Waagerechte sorgt für eine Trennung mittels „Gruppen”, falls zwei Veranstaltungen gleichzeitig liegen. Streng logisch ist dagegen nichts einzuwenden. Ergonomisch hingegen find ich das für die Tonne. Wenigstens einen Trennstrich zwischen den einzelnen Tagen hätte ich begrüßt. So hatte ich aber irgendwie die zweite Gruppe als zweite Tageshälfte interpretiert... und durfte den ganzen Weg direkt wieder zurück. Freude.

Ich hab den Rückweg dann – um das Gefühl der Überflüssigkeit etwas zu mildern – für einen Abstecher im Rathaus des 13. Arrondissements genutzt. Jaja, jedes Arrondissement hat sein eigenes Rathaus, „Mairie” genannt. Außerdem gibt es noch ein Rathaus für ganz Paris, das „Hôtel de Ville”, das man aber auch „Mairie de Paris” nennen kann. Soweit ich weiß, nennt man die Rathäuser der Arrondissements aber nicht „Hôtel de Ville”. Fragt mich bitte nicht nach Aufgaben oder sonstigen Details. Ich werde den heutigen Abend nutzen, um mich etwas mit dem Gesetzgebungsverfahren in Frankreich auseinanderzusetzen, weil ich gerne die Urheberrechtsdebatte hier besser verstehen würde. Allerdings wird auch das Lokalpolitik nicht einschließen denk ich. Wo war ich? Ach ja, ich war im Rathaus des Dreizehnten, um mir Infomaterial zu holen für die chinesische Neujahrsparty. Das hatten sie zwar nicht, aber die nette Dame da konnte mir trotzdem helfen. Für alle, die auch kommen wollen: 5. Februar, 14 Uhr, Porte d'Ivry. Also genau eine Woche nach dem eigentlichen Jahresanfang nach Wikipedia. Übrigens wird es ein Jahr des Hundes und da ich auch Hund bin, muss ich da ja eigentlich ganz besonders feiern :)

Das Blöde ist nur, dass ich bis dahin meine Kamera nicht einschicken kann, weil ich davon natürlich unbedingt Fotos machen will und wer weiß, wie lange die brauchen da.

Nachtrag: Am Place d'Italy (wo das Rathaus war) ging das Métrodrama übrigens noch weiter. Ich bin zwecks Rückfahrt in so einen Eingang da rein (also ein Treppe richtung unten) und sah meine Linie nirgends ausgeschildert. Seltsam, aber bevor ich mir jetzt nen Wolf laufe, nehm ich doch lieber wieder den Eingang, aus dem ich aus rausgekommen bin. Ich also wieder an die Oberfläche, nächste Treppe wieder runter, magnetomatische Wunderkarte über den Leser: *Eeeeeeeeenk* rotes Kreuz, nix *Bing* grünes Licht. „Karte bereits validiert.” Deine Mutter is' validiert, blödes Teil! Ich also zu der Frau am Schalter hin, die etwas aussah wie Miss Marple in grimmig. „Ja also es ist so, ich bin in die Métro rein, dann wieder raus und...” da winkt sie mir auch schon ins Wort, ich möge ihr doch die Karte rüberschieben. Sie fummelt die dann in so ein Dingen und gibt mir die wieder. Ich gehe guter Dinge zur Absperrung *Eeeeeeeenk* rotes Kreuz, „Karte bereits validiert.” Auf der Hacke umgedreht, zur Frau hin, die neue Kundschaft hatte, sie aber winkt einfach, ich solle durchgehen. Ich so „Ja, aber das tut nicht!” Sie winkt bloß wieder. Ok, de facto ging es dann trotz rotem Kreuz und falschem Ton, aber das hätte sie mir auch gerne sagen können, als sie mir die Karte wiedergegeben hat. „Alles klar mein Herr, die Karte wird jetzt zwar immer noch als bereits validiert angezeigt werden, aber ignorieren Sie das und gehen Sie einfach durch.” Wär das jetzt zuviel verlangt gewesen? Mannometer. Und wenn ich mich nicht schwer täusche, war die Linie da dann auch nicht ausgeschildert, aber es gab nur einen Weg. Trotzdem nicht nett.

Tulpenblumen

Man lernt Sprache nie aus. So weiß ich erst dank der Bielefelder Uni-Mensa, dass „Kohlrabigemüse” entgegen meiner ursprünglichen Annahme keine Hirnlosformulierung analog zu „Bananenfrucht” oder „Giraffentier” ist, sondern „Gemüse” in dem Fall eine Zubereitungsart kennzeichnet, die sich leckererweise zu einem guten Teil aus Sahne zusammensetzt und auch für Kartoffeln und viele andere Gemüsearten (sic) praktikabel ist (und nebenbei eine sehr alte Bedeutung des Wortes „Gemüse” am Leben erhält). Ob die Sammelbezeichnung für diese Gerichte allerdings „Gemüsegemüse” ist, ist mir nicht bekannt.

Um wieder zum Thema Spracherwerb zurückzukehren: Wieviel schwieriger ist es natürlich, eine Sprache zu lernen, wenn man diejenigen 20 Jahre seines Lebens verpasst hat das zu tun, in denen das mit Abstand am besten geht. Das wissend, war ich letzte Woche trotzdem recht ernüchtert, als einem wahrscheinlich deutschen Prof, der aber scheinbar schon ewig in Frankreich lebt, noch immer gelegentlich kleine Fehler in der Flexion der Adjektive passiert sind. Er hat sie zwar sofort korrigiert, aber irgendwie zeigt mir das, dass man aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur ein sondern auch zehn Jahre in Frankreich zubringen kann, ohne sich wirklich heimisch zu fühlen in der Sprache.

16.1.06, 16:14 Uhr

Tolle Fotos für kein Geld

Heute war ich erst in der Uni, hab da sogar ein paar Erasmus-Studenten getroffen, aber ich hab festgestellt, dass es da sonst nichts für mich zu tun gab. Muss mir wohl für Montags was anderes als Uni überlegen.

Heute hab ich mir dann allerdings spontan überlegt, dass ich endlich in die Fotoausstellung von Willy Ronis gehen könnte. Die war sogar umsonst im Hôtel de Ville. Wirklich phantastische Bilder! Wäre das toll, wenn ich mir davon eine Scheibe abscheiden könnte... *träum*

Im oben verlinkten Wikipedia-Artikel findet ihr übrigens deutsche Tourdaten, Hintergrundinfos und ein Interview in der taz verlinkt.

Ansonsten war mir die Ausstellung sogar noch einen Tucken zu nicht-kommerziell, ich hätte gerne am Ende eine Auswahl von Kunstdrucken vorgefunden, die man sich hätte kaufen können.

15.1.06, 21:41 Uhr

Frohes 新年!

Weil ich ja eh nicht rechtzeitig dazu kam, euch via Blog ein frohes neues Jahr zu wünschen, nehme ich halt den Tag, der zwischen dem abendländischen und dem chinesischen Neujahrsfest liegt. Das ist nämlich dieses Jahr am 29. Januar. Und ich habe gehört, dass das hier in Paris sogar gefeiert wird, da es hier ja auch so eine Art China Town gibt. Hab ich mir schon in den Kalender eingetragen, das würde ich mir gerne ansehen :)

Zunächst aber schulde ich euch noch den Bericht von meinem Silvester 2005. Ich war ja, soweit wisst ihr das noch, im beschaulichen Bad Driburg. Wir waren ganz viele Leute an Danis Wohnung gemessen. Sven und Marcel aus Bielefeld, Anne, Johanna und Patrick und andere Freunde von Dani und leider nicht Jan, der war krank. Wer einzelne nicht kennt, macht nix, alles sehr nette Menschen jedenfalls. Es gab selbstangeschlepptes Buffet mit leckerer chinesischer Suppe und Bowle, einer riesigen Salatauswahl, zwei Nachtischen und den Hackbällchen, die ich selbst beigesteuert habe. Traditionell macht die ja immer Marcel, aber der wollte diesmal lieber einen Salat machen, aber mit etwas Hilfe habe ich auch diese Probe überstanden.

Und was ist das Highlight eines jeden Silvesterfestes seit ich denken kann? Ja genau, was denn sonst, natürlich die Neujahrsansprache von Helmuth Kohl. ... Ach nein, das Feuerwerk, aber die Kanzlerin haben wir uns trotzdem angeguckt. Wenn auch nur zu dritt, deswegen werde ich meinen Ärger über Merkels Worte nicht auf meine politikverdrossene Leserschaft loslassen.

Feuerwerk also. Ich hatte ein ja Stativ gekriegt! Und das war eine tolle Gelegenheit, das mal auszuprobieren. Leider wäre dafür eine Stadt schön gewesen, wo man über längere Zeit sehr viele Raketen im Himmel hat. Und nicht ab und an eine einzelne. Ich hab deswegen mein Glück mehr am Boden versucht. Da sah man wenigstens vorher, wo was losgehen würde. Nur musste man dann schnell sein. Wenn man den Kram anzündet, ist es ja immer schon schade, wie kurz der nur leuchtet. Aber wenn man davon ein Foto machen will, wird einem das noch mehr bewusst. Und das Zielen ist auch schwer, wenn der CCD nur noch digitale Stille auf den Viewfinder schickt.

Aber eine sensationelle Aufnahme ist mir doch gelungen. Das nebenstehende Foto zeigt nämlich einen Überflug des Nexus'. Rechts oben im Bild ganz eindeutig zu erkennen. Und das über Driburg! Leider hab ich ihn erst zuhause erkannt. So leicht geht einem ewiges Glück durch die Lappen.

Naja, Pech gehabt. Aber nicht so sehr wie die Insassen dieser 747, die wohl den Feuerwerkskörper im Triebwerk nicht vertragen hat.

Und schließlich war Silvester ja ursprünglich dazu da, böse Geister und Dämonen in das Höllenfeuer zurückzuschicken, aus dem sie gekommen waren. Und was soll ich sagen: Es funktioniert wirklich!

Hier noch ein Foto von einem Dämon, der sich zum Schutz vor einem ähnlichen Schicksal in der Kanalisation versteckt hat.

Und wenn ihr euch jetzt fragt, ob an Silvester irgendwas zu nah neben meinem Kopf explodiert ist, dann kann ich euch beruhigen: So bekloppt war ich schon immer, diese ganzen Bilder mit vielen Lichtern und wenig Form lassen nur meiner – nennen wir es Kreativität – freien Lauf :)

Wobei das letzte Foto ein ziemlicher Akt war. Dass diese auf-dem-Boden-dreh-und-dabei-leucht-Dinger unter Kanaldeckeln ungleich besser aussehen, habe ich schon vor etlichen Jahren herausgefunden. Ich hatte diesmal aber nur zwei Schuss frei. Also Kamera genau justieren mit nem Feuerzeug und so, damit man auch den Deckel im Bild hat und nicht sonstwas. Und hab den ersten Versuch gleich mal an einen Deckel ohne Netz darunter verschenkt. Na toll! Zum Glück war Björn Raucher, sodass wir den zweiten Deckel vorher testen konnten. Also das ganze Spektakel von vorne und dann ist dieses Foto dabei rausgekommen. Die Farben haben sich etwas zu sehr vermischt, aber wie gesagt, einen dritten Versuch gab's nicht. Nächstes Mal. Dann hoffe ich auch, die zweite wichtige wie einfache Wertsteigerung von Feuerwerkskörpern dokumentieren zu können: Raketen wirken nämlich viel eindrucksvoller, wenn man sie nicht erst 200m in den Himmel schießt, sondern vor Ort explodieren lässt. Allerdings ist das in der Stadt nicht zu empfehlen. Dafür sollte man sich schon nen Acker suchen... und sicherstellen, dass man am anderen Ende des Ackers ist, wenn die Rakete hochgeht ;)

Am nächsten Tag haben wir dann noch eine tolle Wanderung zur Iburg gemacht. War eigentlich eine Schnapsidee von Patrick, da durch den Schneematsch zu Fuß hoch- und wieder runterzulatschen, aber es war letztlich wirklich schön :) Die Burg ist nämlich wie so viele auf dem Berg und glatt war es noch dazu. Aber dadurch wurd's wahrscheinlich erst so richtig lustig. Gewisse Leute *hüstel* meinten dann zu allem Überfluss, bei der Witterung noch durch den Steilhang abkürzen zu müssen. Marcel und ich waren dann echt froh, dass wir den langsamen Weg außen rum genommen hatten, als wir oben den anderen bei ihrem Kampf im Berg zugeguckt haben ;)

Aber so oder so hat es sich gelohnt, man hat einen schönen Blick über Driburg und die Iburg (Es gibt übrigens keine D-Burg und auch keine R-Burg bei Bad Driburg. Dafür gibt es ein Bad Iburg, das ist aber ganz woanders.) ist auch hübsch, wenn auch nur noch als Ruine. Und der verschneite Wald war eh toll.

Klickreflex-Therapie

Nicht ganz fair, dafür umso genialer. Ich stöbere heute als blindes Huhn durch eine Liste von Blogs bei blogger.com und wer kann schon dem Titel Lesbian Therapy widerstehen? Das versprach lustig zu werden, wurde es dann aber eher, weil das nur eine Weiterleitung war zu einem anderen Blog von einer Frau, die einen Bug bei Blogger bemerkt hatte und ihn gleich ausgenutzt hat. Hut ab, die Idee hätte ich gerne gehabt :)

Das Gebäude Copernic

Ein Foto von vergangenem Montag möchte ich euch nicht vorenthalten. Es handelt sich hierbei nämlich um das Unigebäude, in dem ich in Marne-la-Vallée alle meine Vorlesungen habe. Theoretisch könnte ich zwar auch welche in einem anderen Gebäude haben, hab ich aber nicht. Die Mensa, von der ich schon so geschwärmt habe, ist auch hier. Die Studentin auf der Bank war aber nicht da, um den Pommesduft, den das Gebäude daher manchmal verströmt, zu genießen, sondern tatsächlich, um zu lernen. Naja, für einen Tag im Januar war es recht mild, trotzdem kriegt sie dafür von mir das offizielle Hartgesotten-Zertifikat.

14.1.06, 23:06 Uhr

Seitensprünge zum Abgewöhnen

Match Point läuft hier schon in der elften Woche – und endlich war ich drin. Und das in einem bis auf den letzten Platz ausverkauften Kino! Aber zurecht, der Film ist phantastisch! Nur... wenn ihn jemand nicht mag, ich kann nicht mit ihm argumentieren. Ich weiß nicht, warum ich diesen Film so toll finde. Bei anderen Filmen kann man sagen, dass die Musik so toll war oder die Hauptdarstellerin oder die Geschichte... ja, klar, ist auch alles toll hier, aber irgendwie trifft das den Kern der Sache nicht. Vielleicht, weil alles so perfekt zusammenpasst. Es fällt nicht auf, was gut ist, es ist es einfach. Aber ich rate nur. Zur Geschichte aber noch dies: Ich hatte bis zum Schluss Angst, dass sie doch die Erwartungshaltung erfüllt, doch noch ein Gab's-schon. Aber nein, bis zum Schluss erfrischend und neu. Aber dabei in sich abgeschlossen, nicht wie diese unsäglichen Filme, deren Macher wohl glauben, dass ein Film umso anspruchsvoller ist, je weniger er die Geschichte zuende erzählt, die er angefangen hat. Also wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen. Und wer weiß, ob er in Bielefeld elf Wochen lang läuft ;)

13.1.06, 21:57 Uhr

Sarkozy und die Kulturflatrate

Der französische Lokalsauron Nicolas Sarkozy sprang mir heute von der Sitzbank des RERs entgegen. „Sarkozy will die ‚licence globale‘ aufheben” stand da. Licence globale ist dabei der Name für die „geplante” Kulturflatrate. Es war ja schon zu erwarten, dass diese Pläne in der Form keinen Bestand haben werden und vor allem hat leider hat der parlamentarische Unfall neulich alleine noch keinen wirklich Einfluss, zumindest keinen guten (s.u.). Es braucht nämlich laut Libération insgesamt sechs bis sieben Gesetzesänderungen, um die licence globale auf den Weg zu bringen. Und so richtig dran glauben tut wohl niemand hier (ich hatte grade eine längere Diskussion im IRC darüber, wo höchstens Zweckoptimismus zum Vorschein kam). Zumal so ein Unfall im Parlament durch massiv fehlende Abgeordneter wohl kaum ein zweites Mal zu diesem Thema passieren wird. Die einzige Hoffnung ist, dass durch das verabschiedete Gesetz trotzdem Tatsachen geschaffen wurden und so nicht einfach eine Rückkehr zum status quo erfolgen kann. Die Kulturflatrate ist jetzt nicht länger die Idee einiger idealistischer, weltfremder Spinner sondern gesetzliche Realität in einem der wichtigsten Länder Europas – wenn auch eben nur unvollendet. Und sie ist Thema! Wo vorher offensichtliches Desinteresse an der Thematik bestand und der übermächtige Einfluss der Content-Lobby alleinig bestimmend schien, muss jetzt argumentiert werden.

Wenn auch leider nicht sehr sachlich. Sarkozy selbst sagt, sie sei undurchführbar, weil sie die Verluste der Plattenindustrie nicht ausgleichen könne (soll sie das?) und spricht von einem „dritten Weg”, der die Interessen der Künstler und die der Internetnutzer unter einen Hut bringen soll. Wie der allerdings genau aussieht, will er sich noch überlegen. Nur sieht es ja gar nicht danach aus, als würden sich die Interessen der angesprochenen beiden Gruppen groß unterscheiden. Es sind mehr die der Musikhörer und die der Plattenindustrie. Dass denen die Abschaffung der Platten nicht schmeckt, liegt in der Natur der Sache. Zumal sie es verpasst haben, rechtzeitig umzuschwenken. Jetzt stehen sie vor dem Scherbenhaufen ihrer Branche und versuchen mit unwürdigsten Mitteln, ihr antiquiertes Geschäftsmodell zu retten.

Dumm übrigens an der halbfertigen Ausführung der Kulturflatrate ist, dass bisher nur der einfachste Schritt durchgesetzt wurde: Die Legalisierung des Dateientauschs. Ohne Gesetze zur Vergütung der Künstler kann das natürlich niemand wollen. Ich hoffe, dass das der Grund ist, warum die Vereinigung unabhängiger Produzenten (SPI) so schlecht über die licence globale redet. Obwohl, wenn ich mir die Aussagen im Figaro so angucke, dann ist der Bericht entweder schlecht oder die Leute haben's wirklich nicht verstanden. So sagt Marie Masmonteil, der Präsident der SPI: „Die Lizenz als rechtmäßig anzuerkennen, würde darauf hinauslaufen, den Wert des Kinos an sich [...] zu leugnen.” Nein! Ein solches Lizenzmodell einzuführen, würde bedeuten, Kultur als Gut anzuerkennen, das wesentlich zum Lebensstandard eines jeden gehört und das man aus diesem Grund möglichst vielen Menschen zur freien Verfügung stellen möchte. Ohne natürlich, dass die Kulturschaffenden dabei ohne Vergütung bleiben. Eine Kopplung von Kultur an die Finanzkraft der Interessierten ist im Gegenteil in meinen Augen eine Herabstufung (abgesehen von einer enormen Ungerechtigkeit), denn es bedeutet eine Degradierung der Gedanken hinter den Werken zu bloßer Ware. Allein beim Wort „geistiges Eigentum” dreht sich mir nämlich der Magen um.

Und mal ganz davon abgesehen: Wer glaubt denn, dass dann weniger Leute ins Kino gehen? Ich geh doch nicht ins Kino, weil der Film da etwas früher läuft als im Fernsehen. Wenn das der einzige Mehrwert wäre, wäre das Kino schon längst tot.

Nun ja, es wird jetzt am 7. und 8. Februar eine neue Debatte geben und manche sehen dann bereits wieder den Tod von Peer-to-Peer in Frankreich dämmern, wie er im Dezember drohte (und sich dann ja so scheinbar glücklich ins Gegenteil verkehrt hat). Dann wäre er aus, der Traum.


Nachtrag zum Bild: Nur damit nicht der Eindruck entsteht, ich wolle mich mit fremden Federn schmücken. Die Idee zu dem Bild ist wohlgemerkt billig kopiert (no pun intended) und alt noch dazu. Aber der Sauron-Vergleich sprang mir so in den Kopf da und da bot es sich eben unwiderstehlich an, dieses alte Bild billig zu kopieren zu adaptieren.

12.1.06, 23:09 Uhr

Iraq, Iran... what's next?

Graffito auf Mauer: No war in IrarDie Lage im Iran wird zusehends brenzliger. „These provocative actions by the Iranian regime have shattered the basis for negotiations.” Diese Worte aus dem Munde von Condoleezza Rice klingen jedenfalls nicht sehr ermutigend. Ich weiß nicht, ob die USA es sich leisten können, im Iran einen neuen Krieg anzuzetteln und ich kann nur hoffen, dass sie es nicht einmal wollen; aber so richtig guter Dinge bin ich da nicht.

Und ein erschreckendes Detail der Irak-Politik, das ich noch nicht kannte, steht am Schluss dieses BZ-Artikels (hier gefunden, ist auch ne schöne Zusammenfassung): Laut der sogenannten Order 81 ist es irakischen Bauern verboten, einen Teil der Ernte des Vorjahres auszusähen – so wie seit Anbeginn des Landbaus üblich und im Irak von 97% der Bauern praktiziert. Stattdessen müssen sie das Saatgut von einem kriminellen amerikanischen Konzern beziehen, der von einem Weltmonopol träumt. Ein Weltmonopol auf Saatgut, man stelle sich das vor! Zusammen mit den Privatisierungen von Wasserwerken macht mir all das schon jetzt überhaupt kein gutes Gefühl. „Wenn das Volk sich kein Brot leisten kann, soll es doch Kuchen kaufen.”

Die Medienabdeckung dieses Themas scheint übrigens gigantisch: Wenn man bei den U.S. Google News nach "Order 81" sucht, findet man momentan genau zwei verschiedene Artikel, auf vier Zeitungen aufgeteilt. Bei der deutschen Version sieht es auch nicht besser aus.

PS: Das obige Foto ist übrigens von einem Graffito, das sich auf dem Weg zwischen RER-Station und Unigebäude in Marne-la-Vallée befindet. Es hat mich seit Anfang an fasziniert, jedes Mal, das ich den Weg gegangen bin, wieder. Ob es aber eine Spitze zur aktuellen Lage ist, die der Autor dann bewundernswert früh antizipiert hätte oder einfach nur dessen mangelnde Kenntnis des lateinischen Alphabets unter Beweis stellt, vermag ich nur zu raten.

11.1.06, 22:01 Uhr

Wenn man einmal nicht aufpasst...

Man kann leider nicht überall gleichzeitig sein. So habe ich jetzt durch meine – ansonsten mehr als lohnenswerte – Anwesenheit hier in Paris ein tolles Himmelsereignis in Bielefeld verpasst: Einen sehr gut sichtbaren Mond-Halo, man sah wohl sogar gut die Farben mit bloßem Auge. Marcel hat zum Glück Fotos gemacht :)
Der Bielefelder Mond-Halo von der Nacht auf den 11.1.06
PS: Wenn ihr bis grade nicht wusstet, dass es sowas wie Halos gibt: Willkommen im Club ;)

Und es gibt ihn doch

Da hab ich gestern noch um meine Ausgeschlafenheit diskutiert in religiösen Fragen und heute stelle ich fest: Es gibt ja doch einen Gott. Zumindest kriegt hier der Filme-Haufen, was er verdient für das Digital Restriction Management bei DVDs. Leider haben sich DVDs ja trotzdem duchgesetzt und es sieht nicht unbedingt so aus, als würde der Nachfolger besser werden, aber immerhin kam jetzt endlich die Strafe für den Mist, auch wenn sie lange nicht genug treffen dürfte, als dass sich jemand mal Gedanken machen würde fürchte ich. Trotzdem, ich keine meine blanke Schadenfreude nicht verhehlen: MUHAHAHAHA!

Das Buch, das Rasierwasser und der ganze Rest

Ok, was fehlt noch? Am nächsten Tag ging's wieder zu Dani, wo Bescherung Nummer 2 an der Reihe war. Von dem Buch hab ich schon erzählt, das mir Danis Mama geschenkt hat. Und das angedeutete zweite Geschenk (Jan und Angelika ham's gesehen, Glückwunsch! (Wobei Angelika das eh wusste – die hat sie gekauft, auch wenn das Geschenk von Dani war)): Ich habe jetzt endlich wieder eine funktionierende Uni-Bielefeld-Schneekugel! Es gibt Merchandising, das muss man einfach haben. Und eine der hässlichsten Unis der Welt als Schneekugel gehört definitiv dazu. Ich hatte schon eine, hab die aber einmal zu oft von meinem leider schrägen Monitor geschmissen. Was für eine Sauerei! Diese Mischung aus Wasser und kleinen Plastikflocken auf dem Teppich. Und eine Schneekugel ohne Schnee war auch nichtmal der halbe Spaß. Also ab jetzt kommt sie nur noch auf ebene Untergründe.

Das nächste tolle Geschenk – und eins, mit dem ich auch gar nicht gerechnet hatte: Ein Schaumseifenspender! Ja, meine Faulheit wollte es, dass ich noch nicht darüber gebloggt habe. Denn auch die Klos in Marne-la-Vallée haben welche, auch wenn die fast immer leer sind und überhaupt siffig und keinen Spaß machen, aber davor bin ich – ich glaube, es war auf einer Hochzeit – darauf gestoßen, wie toll doch Schaumseifenspender sind und dass man eigentlich gar nicht mehr normale Seife benutzen möchte und wenn ich groß wäre, würde ich bei mir im Bad auch einen installieren. Und Dani hat sich das natürlich gleich gemerkt und mir schon jetzt einen Geschenkt, wenn auch keinen für an die Wand sondern zum Stellen, der eigentlich genau wie ein herkömmlicher Flüssigseifenspender aussieht, aber es eben in sich hat. Jetzt ist die Frage, inwieweit sich der nachladen lässt. Klar, man kann neues von dem teuren Hubba-Bubba-Apfel-Zeug reintun, aber man kann natürlich auch versuchen, seine Lieblingsflüssigseife zu nehmen, auf die Konsistenz des Zeugs, das da drin ist, runterzuverdünnen und wenn das nicht klappt mit einer Dosis Öko-Schaumwunder HT nachzuhelfen... wir werden sehen, wie das funktioniert, aber ich kann es kaum erwarten, dass der Seifenspender leer wird, damit ich es endlich probieren kann ;) Und ich werde natürlich genau über mein Experiment berichten! Hihihi!

Hier in Paris gab's dann Bescherung Nummer 3, da habe aber ich deutlich mehr verteilt. Meine Oma hat mir aber eine Flasche von meinem Lieblingsrasierwasser geschenkt, das es in Deutschland nicht gibt, und ein spezielles Haartrockenhandtuch für meine Mähne ;) Das legt man sich über den Kopf, wo es schön rund ist, dann wickelt man die Haare in den spitz zulaufenden unteren Teil und schließlich knöpft man diesen langen Teil hinten am Kopf fest :) Nicht schön, aber das ist wohl auch nicht Designziel gewesen.

10.1.06, 21:28 Uhr

Geschenke

Endlich fange ich wie versprochen an, die zwei Wochen in Deutschland aufzuarbeiten. Und da fange ich natürlich mit dem Hauptevent während der Zeit: Weihnachten. Ich habe ja zwar bei Dani gewohnt, bin aber zum 24. nach Bielefeld zu meiner Mama gefahren, um mit ihrem Freund zusammen Weihnachten zu feiern. Es gab das für uns traditionelle Fondue (Hmm, sowas leckeres...) und danach die Bescherung. Der Weihnachtsmann (oder wie er hier in Frankreich genannt wird: Papa Weihnachten) hat es dieses Jahr mal wieder gut mit mir gemeint und mir viele tolle Sachen vorbeigebracht.

Zunächst einmal den dringend benötigten Wasserkocher. Meine Oma macht nämlich ihr Wasser immer in der Mikrowelle heiß und der Plastiktopf fasst vielleicht grade mal einen Bol voll. Und wenn es richtig kochen soll, geht das gar nicht mal so schnell und übersprudeln tut es auch noch. Also hab ich das immer auf dem Herd heiß gemacht, aber das ist auch nervig. Zumal es auch keinen tollen Wasserkessel gibt, schon gar nicht mit Pfeife. Jetzt also kann ich bequem einen Liter Wasser heiß machen, das ist auch genau so viel, wie in meine Kanne passt. Außerdem kann ich mir jetzt eine dieser 5l-oder-mehr-Wasserbomben kaufen, um nicht mehr dieses eklige gechlorte Leitungswasser trinken zu müssen. Im Tee schmeckt man das zwar nicht so, aber ich muss das trotzdem nicht haben. Bei Wasser pur verweigere ich mich ja schon, wobei ich da eh nicht aus meiner deutschen Haut komme und lieber Mineralwasser trinke.

Desweiteren habe ich jetzt auch endlich den Nachfolger der Diskette, denn letztere taugen ja heutzutage nichtmal mehr als die Tassenuntersetzer, als die man verbrannte CDs benutzen kann (oder reine Windows-Treiber-CDs). Ich kann jetzt auch endlich 1.073.741.824 Zeichen mit mir im bequemen Isolinearer-Chip-Format mit mir herumtragen :) Natürlich, wie es sich für Nerds gehört, an einer Kordel um den Hals. Weniger sogar, weil es so praktisch ist, immer einen Datenträger dabei zu haben, sondern mehr als Ausdruck einer gewissen Kultur. Oh und wo wir grade bei leichten Macken sind: Das nebenstehende Foto wurde nebenbei bemerkt – quasi zur Steigerung der Authentizität – einmal auf einen USB-Stick verschoben und wieder zurück. Also so eine Art digitaler Linie Aquavit. Irgendwie mochte ich die Idee, als sie mir kam.

Leider musste ich bereits feststellen, dass sich in der Windowswelt nicht viel geändert hat, seit der Diskettenzeit. Damals hat man einen Bluescreen bekommen, wenn man eine Diskette oder CD ausgeworfen hat, die noch benutzt wurde (ob man das wusste oder nicht). Heute kriegt man Fehlermeldungen, wenn man USB-Sticks in den Computer steckt. Sowohl der PC meiner Mutter als auch der Laptop meiner Freundin, beide laufen unter XP und beide vertragen sich nicht mit USB-Sticks. Der meiner Mutter beschwert sich am laufenden Band mit diesen nervigen kleinen Sprechblasen und vergisst dauernd, dass er eigentlich einen USB-Stick erkannt hatte, der andere Rechner erkennt Sticks zwar auch, aber Daten austauschen geht nur nach einem Neustart. Die gelben Sprechblasen gibt es auch hier zuhauf, dabei tritt nicht einmal eine Fehlermeldung auf. Windows XP braucht einfach nur drei Sprechblasen, um seinem Benutzer mitzuteilen, dass er grade einen USB-Stick eingeschoben hat. Manchmal merkt man das ja selbst gar nicht oder so...

Aber da ich um Windowsrechner eh einen Bogen mache, wenn es irgendwie geht, schmälert das meine Freude um dieses neue Medium nicht im geringsten :)

Auch das dritte Geschenk ist etwas, dass ich dringend brauchte. Und zwar ein Stativ! Ohne macht das Fotographieren einfach keinen Spaß, vor allem nicht im Winter, wo es so früh dunkel wird und dafür überall tolle viele Lichter angehen, die aber leider den eigenen Tatter gnadenlos auf den CCD zeichnen. Aber auch sonst sind mir so viele Fotos matschig geworden, ohne dass es gleich richtig Nacht war. Oft kriegt man ja Sachen oder schafft sich welche an, bei denen man nachher gar nicht mehr weiß, wie man früher ohne sie leben konnte. Beim Stativ ist das anders, da wusste ich schon vorher nicht so genau, wie ich ohne es leben kann ;)

Jetzt brauch ich nur noch eine weiße Wand, damit man auf dem nächsten Foto von meinem Stativ auch vor drei Sekunden Suchen schon was erkennen kann vor lauter Hintergrund ;) Und erzähl mir keiner was von Tiefenunschärfe zu diesem Zweck, ich hab mir eh einen abgebrochen in meinem kleinen Zimmer mit einem noch kleineren Spiegel bei diesem Bild.

Schließlich habe ich am 24. noch umfangreiche Nähutensilien gekriegt. Die habe ich zwar auch schon lange gebraucht und sogar schon des öfteren vermisst, aber damit hätte ich sicher am wenigsten gerechnet. Jetzt brauche ich nur noch die Fähigkeit, mit den Sachen auch umzugehen. Aber nen Knopf angenäht krieg ich wohl. Vorher hatte ich nur nicht das Werkzeug.

Und einen Taschenkalender habe ich auch noch gekriegt, einen schönen, schwarzen, der schön in der Hand liegt und sich angenehm anfasst, eine Doppelseite pro Woche bietet. Das gleiche Modell hatte ich auch schon im Jahr davor bekommen und es hat sich wirklich bewährt. Ein Kalender ist eins von den Dingen, bei denen ich zumindest nachher nicht mehr wusste, was ich vorher ohne gemacht habe. Naja, ständig was vergessen, das hab ich gemacht.

Außerdem gab's den üblichen Weihnachtsteller voll mit unheimlich leckeren und unheimlich kalorienreichen Sachen wie Dominosteinen, Marzipankartoffeln und Lebkuchen. Und einem tollen Lindt-Weihnachtsmann. Der war so toll, dass ich ihn die ganze Zeit nicht anrühren wollte. Und so habe ich ihn so lange nicht angerührt, bis ich ihn schließlich am Ende meines Urlaubs bei Dani vergessen habe. Na toll. Sie hat mir dafür einen Osterhasen versprochen :)

Und weil ich mich vorhin dauernd mit anderen Sachen abgelenkt habe, während ich eigentlich diesen Artikel hätte zuende schreiben sollen, ist es inzwischen halb drei Uhr nachts und ich morgen um sieben raus und deswegen berichte ich von den Geschenken, die ich an anderen Tagen gekriegt habe auch an einem anderen Tag. Gute Nacht.

We don't need no water

Ein Fotoapparat ist ein tolles Gerät. Man kann damit nicht nur festhalten, was man sieht, sondern auch sichtbar machen, was man nur mit seinen Augen nie zu Gesicht bekäme. Zum Beispiel Vorgänge, die zu schnell und zu hell sind, als dass man sie jemals im Detail direkt beobachten könnte. So habe ich heute ein paar Streichhölzer vor die Kamera gezogen und einen eine viertausendstel Sekunde dauernden Moment aus dem Zeitraum geschnitten, in dem sie angefangen haben zu brennen. Ich finde, es hat sich gelohnt:

Außerdem gefallen mir diese beiden Fotos, wo ich vor allem die Flammenform sehr schön finde.

Ach übrigens: Die Fotos wurden alle am hellichten Tage aufgenommen :)

9.1.06, 18:40 Uhr

Gez denn noch?

Ich weiß, GEZ-Bashing ist immer wieder für ein billiges "Jawoll! Genau richtig!" gut. Aber wenn ich mich über etwas aufrege, reg ich mich nunmal darüber auf. Und momentan ist das die GEZ im Großen und im Kleinen:

Vor knapp drei Monaten (!) schrieb ich der GEZ, weil ich eine Zahlungsaufforderung erhalten hatte, folgende Mail:



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe irrtümlicherweise eine Zahlungsaufforderung von Ihnen erhalten. Irrtümlich zum einen deshalb, weil ich fristgerecht die für eine Befreiung nötigen Unterlagen eingereicht habe (Ich bin BAFöG-Höchstsatzempfänger und habe den letzten BAFöG-Bescheid rechtzeitig bei meiner örtlichen Bürgerberatung eingereicht), zum anderen, weil ich mich für ein Jahr in Frankreich aufhalte und hier schwerlich deutsches Radio und Fernsehen empfangen kann. Ich würde diesen Irrtum gerne telefonisch bereinigen, leider sind Ihre 0180er-Nummern nicht aus dem Ausland zu erreichen. Gibt es für diese Zwecke eine alternative Nummer, die Sie mir nennen können?

Ich hatte die Sache – nachdem ich sogar erneut angefragt hatte, ob meine Mail eingegangen sei – schon länger abgehakt, da kam heute doch noch eine Mail von temp@gez.de (ich hasse Mails ohne echten Namen im From, da zuckt mein Finger immer zum Spam-Knopf):


Sehr geehrter Herr Mertes,

bitte entschulidgen Sie die späte Antwort.

Sie teilen uns mit, dass die GEZ unter ihrer Servicenummer mehrfach nicht
zu erreichen war.

Bei der Gebühreneinzugszentrale werden derzeit arbeitstäglich ca. 13.800
Gespräche entgegengenommen. Trotz dieses großen Mengenvolumens und obwohl
die GEZ in den vergangenen Jahren die telefonische Kapazität ständig
erweitert hat, kann es in Spitzenzeiten zu Engpässen bei der Annahme der
eingehenden Gespräche kommen.

Wir bitten um Ihr Verständnis.


Verständnis ist ein gutes Stichwort, denn offenbar mangelt es an dem seitens der GEZ. 0180er-Nummern kann man einfach nicht aus dem Ausland anrufen, egal wie überlaufen oder nicht die Leitung ist. Das ist der Grund, warum für Österreich und die Schweiz immer ganz winzig kleine Extranummern bei TEDs im Fernsehen eingeblendet werden.

Dann folgt ein bisschen Blabla, dass es mit den Befreiungsanträgen auch was dauern kann, weil es davon auch so viele gibt und schließlich noch ein Kommentar zu meinem Auslandsaufenthalt, der es in sich hat (Hervorhebung von mir):


Desweiteren beendet ein Umzug (auch ein befristeter Auslandsaufenthalt)
nicht automatisch die Gebührenpflicht. Erst wenn keine Rundfunkgeräte mehr
zum Empfang bereitgehalten werden und dies der GEZ oder der zuständigen
Landesrundfunkanstalt schriftlich mitgeteilt worden ist, ist die
Gebührenpflicht beendet. Wird die Abmeldung unterlassen, besteht
durchgehend Gebührenpflicht.

Mit anderen Worten, die GEZ hat keine Skrupel, einen Gebührenbescheid auszustellen in dem Wissen, dass der Empfänger gar keine Gelegenheit hatte, deutschen Rundfunk zu empfangen. Das is' dreist.

8.1.06, 13:36 Uhr

Kuchen, Messer, fremde Sitten

Ich weiß, es sieht so aus, als fände ich langsam Gefallen an RTL-II-Titeln. Aber dann hätte das sicher irgendwie „Fresschen, Frösche, fremde Titten” oder so geheißen. Aber darum geht es ja gar nicht, vor allem nicht um letzteres, was wahrscheinlich der Grund ist, warum mein Blog noch nie bei RTL II erwähnt wurde.

Es geht um gestern, wo ich mit meiner Oma bei meiner Tante war, mein Onkel war auch da und wir haben auf mein Drängen hin das nachgeholt, was hier zum Dreikönigstag üblich ist, nämlich einen speziellen, Galette des Rois genannten, Kuchen zu essen. Das ist ein Blätterteigkuchen, gefüllt mit einer Mandelcrème, in den – und jetzt kommt das Gimmick – eine kleine Figur eingebacken ist. Die Galette wird warm serviert und der Jüngste muss sagen, wer welches Stücke kriegen soll. Dann wird dieses sehr leckere Ding gefuttert und derjenige, der die Figur findet, die „Fève” (Bohne) genannt wird, wird symbolisch zum König gekrönt (und muss die nächste Galette spendieren). Als ich den Brauch das erste Mal mitgemacht habe, hatten wir sogar eine Pappkrone und mein Vater war König, diesmal war's meine Oma, es gab aber keine Krone für sie. Soweit ich weiß wurde dieser Brauch aber entgegen meiner ersten Intuition nicht von einer Zahnarztvereinigung angeleiert. Ich selbst war ja noch nie König, ich weiß nicht, wie es ist, da draufzubeißen.

Dazu gab es übrigens Poiré. Das ist so etwas wie Cidre, nur dass es aus Birnen statt Äpfeln gemacht wird. Auch sehr lecker.

Danach gab's die Bescherung. Ich hatte ja aus Deutschland nen ganzen Haufen Geschenke angeschleppt. Unter anderem ein Messer für meine Oma, weil die nämlich ne Menge Messer in ihrer Küche hat, aber leider kein Werkzeug, das sich dazu benutzen ließe, irgend etwas zu schneiden. Jetzt wusste ich aber nicht, dass man in Frankreich nicht einfach so Messer verschenkt. „Messer”, so wurde mir erklärt, „schneiden nämlich.” Ok, soweit klar. „Und man sagt, wenn man Messer verschenkt, zerschneidet das auch die Beziehung zwischen zwei Menschen.” Uff. Ich wollt doch nur ein praktisches Geschenk machen! Zum Glück werden auch in Frankreich gerne Messer verschenkt, sodass man eine Art Workaround-Brauch eingeführt hat: Messer kaufen ist ok, also gibt man demjenigen, der das Messer verschenkt hat, eine Münze, dann ist alles in Butter. Meine Oma hat mir also nen Euro in die Hand gedrück und ich musste kein schlechtes Gefühl mehr haben. Aber trotzdem, mit sowas rechneste doch nich', voll der Schock erstmal: „Mein Gott, was hab ich getan? Ist das hier wie Kakteen verschenken?”

Am Abend hab ich dann noch Wallace und Gromit geguckt. Sehr lustiger Film und sehr sympathisch mit den Knetfiguren. Und die Kaninchen sind einfach zu süß :) Und ich war schon wieder in einem Kino, in dem ich zuvor noch nicht war, diesmal ein sehr sympathisches kleines in einer Seitengasse. Die anderen waren, soweit ich mich erinnern kann, immer an großen Boulevards gelegen.

Und um mit dem Dinge-die-in-Frankreich-üblich-sind-Update abzuschließen: Heute war meine Oma bei einem Mittagessen für ältere Personen, das wohl in den meisten französischen Kommunen vom Bürgermeister immer kurz nach Weihnachten ausgerichtet wird. Da gibt's dann immer richtig lecker Essen mit elendig vielen Gängen, ein kleines Geschenk für jeden und Musik und Tanz bis in den Abend.

Morgen geh ich dann erstmal wieder zur Uni in Marne-la-Vallée, um mich durch den Wust von Stundenplänen zu kämpfen und zu gucken, was ich demnächst da so an Veranstaltungen besuche.

7.1.06, 12:06 Uhr

Ein Genuss in q-Moll

Es war schön, mit anzuhören, wie der kleine Junge nebenan immer besser wurde am Klavier seit ich hier bin. Leider hat er heute Morgen das Klavier stehen lassen und sich seiner offenbar neuen Blockflöte zugewendet. Der Vorteil am Klavier ist, dass man es schwer hat, wirklich neben die Töne zu hauen. Die Löcher hingegen einer Blockflöte kann man stufenlos regeln und damit dem Instrument noch furchtbarere Töne entlocken, als es ohnehin schon produziert.

Meine Oma meint dazu, dass es wohl an der Schule Pflicht sein könnte für alle Schüler, Flöte zu lernen, damit jeder ein Instrument spielen kann, das man auch in die Schule mitnehmen kann. Hm. Für die Laptop-Uni habe ich noch kein Argument gehört, das mich überzeugt hätte. Aber für die Keyboard-Schule... da habe ich glaub ich grade eins gefunden.

Imagine-toi ton opinion

Der Spiegel schreibt nicht nur, dass das Kartellamt von Springer den Verkauf der BILD-Zeitung fordert, falls doch noch eine Fusion mit ProSiebenSat.1 stattfinden soll, sondern auch, dass sich der französische Fernsehsender TF1 einmischen will. TF1, muss man wissen, ist hier in Frankreich ungefähr das, was in Deutschland das ZDF ist. Also derjenige der öffentlich rechtlichen Sender, den man sich bis auf sehr wenige Ausnahmen eigentlich überhaupt nicht anzugucken braucht und bei dessen Nachrichten man deutlich merkt, was für eklig konservative Köppe da hocken. Also genau der richtige Sender, um die Fusion zu ProSpringerSat.17 oder wat abzufedern...? I don't think so. Aber momentan schaut es ja so aus, als wäre das Kartellamt mit noch ein paar vernünftigen und – besser noch – demokratisch orientierten Menschen durchsetzt. Also werde ich entgegen meiner Gewohnheit heute mal nicht den Untergang des Abendlandes einläuten :)

6.1.06, 21:42 Uhr

Literaturkritik II

Ich weiß, ich weiß: Ihr brennt sicher alle darauf, zu erfahren, was ich so zu Weihnachten bekommen habe, wie ich Silvester verbracht habe, wie das Stufentreffen war, wie es nun tatsächlich war, wieder in Deutschland zu wandeln und so weiter und so fort – ich muss euch noch vertrösten. Ich bin irgendwie auch heute noch ziemlich müde (wenn ich ein Fan schlechter, ausgelutschter Witze wäre, würde ich das jetzt auf den Jet Lag schieben) und aus aktuellem Anlass will ich erstmal wieder einen kleinen Literaturkritik-Artikel schreiben. Ich habe nämlich – und da treffen sich immerhin Erwartung und Angebot – zu Weihnachten ein Buch geschenkt bekommen, das ich heute fertig gelesen habe: „Rückkehr von den Sternen” von Stanisław Lem. Außerdem habe ich während der „Weihnachtsferien” den ersten Band von „Otherland” von Tad Williams fertig gekriegt und „Alice im Wunderland” eingeatmet. (Wenn ihr übrigens das Foto genau betrachtet, könnt ihr noch ein weiteres Weihnachtsgeschenk bereits vorab entdecken :)

Letztere Geschichte habe ich endlich mal gelesen, nachdem es mich genervt hat, dass sich in ungefähr jedem zweiten englischen Text eine Anspielung darauf findet und ich nur den blöden Film gesehen habe. Ich habe aber anscheinend eine Kurzfassung dieses ohnehin kurzen Textes erwischt! Die hätte bequem auf zehn Seiten Platz gefunden. Und wenn man manche Sätze liest, fühlt man sich etwas veralbert:


She was falling slowly, so she had time to look around and see all sorts of interesting things along the way.


Nein, da kommt nicht noch was nach, das war bereits die Beschreibung des angesprochenen Falls. In verschiedenen Internetquellen findet sich hingegen stattdessen das hier:


Either the well was very deep, or she fell very slowly, for she had plenty of time as she went down to look about her and to wonder what was going to happen next. First, she tried to look down and make out what she was coming to, but it was too dark to see anything; then she looked at the sides of the well, and noticed that they were filled with cupboards and book-shelves; here and there she saw maps and pictures hung upon pegs. She took down a jar from one of the shelves as she passed; it was labelled `ORANGE MARMALADE', but to her great disappointment it was empty: she did not like to drop the jar for fear of killing somebody, so managed to put it into one of the cupboards as she fell past it.


Naja, die Kurzform des Titels, der eigentlich „Alice's Adventures in Wonderland” und nicht „Alice in Wonderland” heißt, hätte mich schon stutzig machen können... wenn ich das nur gewusst hätte. Naja, dann muss ich das Buch halt nochmal lesen, bei Wikisource oder so. Irgendwann. So gut fand ich es nämlich nicht und ich glaube kaum, dass das allein an den Kürzungen lag. Ich stehe einfach nicht darauf, dass man sich als Leser kein bisschen orientieren kann, weil man nicht nur mit den Regeln, die man gewohnt ist, nichts anfangen kann, sondern das Buch auch selbst kein schlüssiges Regelsystem aufstellt, wie es zum Beispiel bei „vernünftiger” Science-Fiction- oder Fantasy-Literatur der Fall ist. Ich komme mir dann immer ein bisschen vor wie in der Klapsmühle. Ich will nicht kleinreden, dass Lewis Carroll dabei jede Menge interessanter Konzepte entwickelt, aber geht das nicht auch ohne dieses LSD-Feeling? Verstärkt wird das noch dadurch, dass jede Episode nur kurz angerissen wird und jeglichen Sinn entbehrt. Zurück bleiben ein wachsender Berg von Elementen der Geschichte, die darin keinen Zweck erfüllen.

In die Klapsmühlenecke geht auch meine Kritik an „Rückkehr von den Sternen”. Eigentlich ein tolles Buch: Spannend, tiefgehend, die visionären Fähigkeiten von Lem sind phantastisch, die Beschreibung von Technik und Gesellschaft selten fesselnd... Aber die Dialoge! Gerade gegen Ende des Buches wird es sehr, sehr zäh. Nur ein kleines Beispiel (und nichts, was ihr nicht versteht, liegt am mangelnden Kontext, glaubt mir):


» [...] Dies hat aber mit dir und mir nichts zu tun. Oder eigentlich schon: denn wir sind ja zusammen. Anders – wären wir es nicht, niemals. Sie ist für mich – du. Daher möchte ich so sehr... aber du mußt nicht. Wenn es so ist, wie du sagst. Wenn du es so empfindest. `«
» Ich werde sprechen. «
» Aber nicht heute. «
» Heute. «
» Lege dich bitte hin. «


Frau Osthoff, sind Sie's?

Wobei mir bei Lem schon öfters aufgefallen ist, dass sich die Personen irgendwie gerne mal völlig unberechenbar verhalten. Vor allem, wenn es darum geht, plötzlich aggressiv zu werden.

Und schließlich hat mich bei meiner Ausgabe des Buches die sakrale Optik des Einbandes gestört. Ich kann nicht den geringsten Zusammenhang zu Engeln erkennen. Aber mit all dem will ich wie eingangs dargelegt keinesfalls sagen, dass ich das Buch nicht mochte. Ich hatte es in jeder freien Minute in den Fingern :)

Schließlich habe ich wie gesagt den ersten Otherland-Wälzer gelesen und ich will auf alle Fälle weitermachen, nur wann ich dazu komme, ist mir noch nicht so ganz klar. Ich hatte ja wenigstens auf ein halbwegs passables Ende gehofft, aber die Geschichte ist wohl einfach nur deshalb in mehrere Bücher aufgeteilt, weil es sonst kein Mensch mehr greifen könnte.

Frankreich legalisiert nicht nur Browser

Während es neulich noch so aussah, dass das Internet in Frankreich gar keine Zukunft hat, so ist das hier doch überraschend. In Frankreich ist es anscheinend bald völlig legal, urheberrechtlich geschützte Dateien über das Internet auszutauschen. Schade nur, dass das wohl ein parlamentarischer Unfall war.

Update: Ein sehr ausführlicher und guter Blog-Artikel hierzu findet sich bei Netzpolitik.org. Und hier noch ein neuerer.

Rückflug

Ich hab zwar früh geschrieben, aber spät gepostet. So kommen jetzt Hin- und Rückflug gleichzeitig ins Haus. Den Mittelteil liefere ich noch nach, ich muss aber erstmal sammeln, was ich alles so erlebt hab in Deutschland. Und ich weiß auch momentan nicht viel zum Rückflug oder zur Ankunft zu sagen. Nur dass es mir verdammt schwer gefallen ist, mich von Dani loszureißen. Und erstaunlich leicht gefallen ist, wieder in Frankreich anzukommen. Bis jetzt habe ich auch noch keine größeren Französischeinbußen feststellen können, aber vielleicht kommt das noch. Und es kommt mir vor, als wäre ich ewig weg gewesen. Vor allem aber bin ich jetzt ziemlich müde, morgen ist schon wieder Uni und mit Reisetasche, Rucksack und Riesentüte durch RER, Métro und vollen Bus war echt kein Spaß. Aus der Tasche musste ich in Dortmund übrigens noch was in den Rucksack packen, weil die Tasche 21,2 kg oder so gewogen hat. Erlaubt sind 20, toleriert werden 20,9... ich musste also Unterhosen im Wert von 300 g umräumen, dann gab es kein Problem mehr. Dafür musste ich aus dem jetzt noch voller gepackten Rucksack meinen Laptop rausnehmen und einzeln aufs Band legen. Von wegen die Sicherheit und so... Es heißt ja immer, das Internet wäre voll mit Bombenbauanleitungen und so, hier also mein Beitrag dazu: Terroristen der Welt, wenn ihr ein Flugzeug entführen wollt, macht euch keinen Stress mit Hartplastikmessern, Keramikschusswaffen und explosiven iBooks, packt einfach eine große Glasschale mit einem halben Meter Durchmesser in etwas Geschenkpapier, zerdeppert sie im Flugzeug und schneidet so vielen Leuten die Kehle auf, wie ihr wollt. Bis auf den Teil mit dem Zerdeppern und Leute Aufschneiden hab ich es probiert und glücklicherweise funktioniert es wirklich. Die Schale für meine Tante wär nämlich beim besten Willen nicht mehr in die Reisetasche gegangen. Aber warum ich dann meinen Laptop aus dem Rucksack wühlen muss, die meinen USB-Stick röntgen wollten und die Frau nach mir die Schuhe ausziehen musste... ich weiß nicht, ob ich es verstehen muss.