.comment-link {margin-left:.6em;}

Frog Blog

3.7.06, 16:19 Uhr

Frankreich gegen Brasilien

Einer der beiden Saxophonisten.Am Samstag habe ich mir das Spiel Frankreich-Brasilien anguguckt, aber vorher bin ich endlich zum Paris Jazz Festival, in dessen Rahmen schon seit ein paar Wochen jeden Samstag und Sonntag Jazz-Konzerte im Parc Floral stattfinden. Die Konzerte selbst sind umsonst, allerdings kostet der Park zwei Euro Eintritt (vier unermäßigt), so viel allerdings nur, wenn irgendwelche Veranstaltungen sind. Eintritt also hintenrum. Aber bei zwei Euro kann man trotzdem nicht meckern und außerdem, so dachte ich mir, kann ich mir bei der Gelegenheit auch noch ein bisschen den Park angucken. Ich bin allerdings zum einen bei der beeindruckenden Burganlage Château de Vincennes hängengeblieben, zum anderen habe ich auch nicht damit gerechnet, über eine halbe Stunde anstehen zu müssen, um überhaupt in den Park zu kommen. Und dabei gab es schon vier Schlangen, allerdings war keine davon nennenswert im Schatten gelegen. Und selbst in dem wären es ja schon über 30 Grad gewesen. Danach war mir irgendwie komisch und ich hab mir möglichst schnell ein schattiges Plätzchen gesucht, wo ich den Beginn des Konzerts abgewartet habe. Sitzplätze gab es natürlich keine mehr, also das ganze im Stehen. Angeblich sollte der wohl bekannte Trompeter Roy Hargrove spielen und kurz vor dem Konzert schwärmte auch noch einer davon, das sei das Konzert des ganzen Festivals, aber nachdem ich nachher meine Fotos mit welchen von Roy Hargrove verglichen habe, konnte ich nicht bestätigen, dass er da war. Naja, ich kannte ihn eh nicht und ich fand das Konzert gut und das ist ja die Hauptsache.

Der Schlagzeuger während eines sehr geilen (und sehr langen) Solos.Jazz macht im Stehen aber deutlich weniger Spaß und wenn ich mir noch ein Konzert angucke, dann erscheine ich definitiv früh genug, dass ich noch einen Sitzplatz kriege. Ich habe auch kurz überlegt, ob ich hoch pokere und auf mein mutmaßliches journalistisches Aussehen setze, um mir einen Platz in der ersten Reihe zu sichern, wo die ganzen Profifotografen rumsprangen, aber ich glaube die weißen Kärtchen trugen sie nicht nur als Schmuck. Wer Genaueres über das Konzert wissen will und Französisch spricht, wird sicherlich in diesem fachkundigeren Artikel fündig.

Daraus, den Park zu besichtigen wurde auch nach dem Konzert nichts, weil ich zum einen durch das lange Stehen in der Hitze mal wieder keinen Nerv darauf hatte und weil ich zum anderen auch langsam in die Puschen kommen musste, um noch einen netten Platz im Stadion zu bekommen. Denn ich hatte schon so eine Ahnung, dass es voll werden würde.
Panoramaaufnahme des Hexenkessels Charléty. Unter Abwesenheit der Mannschaften feuerten unzählige Fans diese an.War auch genau richtig, meine Vermutung. Ich kam noch rechtzeitig, um meinen Wunschplatz mit dem schönsten Blick auf die Menge zu kriegen, aber das Stadion füllte sich sehr schnell, bis schließlich jeder einzelne Platz mit Blick auf die Leinwand besetzt war. Die Stimmung war atemberaubend und die Zeitungen gaben die Besucherzahl mit „mehrere Zehntausend” an. Und dabei weiß ich noch von einem anderen Stadion in Paris, dass das Spiel übertragen hat.

Das beste an der Sache war, dass keine störenden Sportler Platz im Stadion beansprucht haben, sodass der gesamte Rasen auch voller Leute war. Als La-Ola-Wellen (möge mir niemand Silbenverschwendung vorwerfen) durchs Stadion liefen, erreichten diese auch das Publikum auf dem Spielfeld und das war ein absolut umwerfender Anblick. Wie ein riesiger, menschlicher Domino Day. Man sollte La Ola nur noch auf großen Flächen machen, nicht auf engen Bahnen von Menschen :)

Diesmal war ich echt ne harte Sau. Ich habe einfach diesen Plastikdeckel ins Stadion geschmuggelt, wohl wissend, dass sie verboten sind. Krass illegaler Flaschenpirat, ich.Die Sicherheitsleute habe ich diesmal ausgetrickst. Ich habe zwar vorbildlich getan und den Deckel meiner zweiten Wasserflasche vor ihren Augen in den Mülleimer geschmissen. Was sie aber nicht wussten war, dass ich vorher schon eine Flasche Wasser getrunken hatte und dessen Deckel vorsichtig in einem kleinen Fach meines Rucksacks versteckt habe. Ha! Das traurige ist, dass es mit einem Klappmesser genauso gut funktioniert hätte. Obwohl ich mir bei dem vollen Stadion durchaus vorstellen konnte, dass man mit einer zugeschraubten Wasserflasche Mist bauen kann, wenn man sie nach Leuten schmeißt. Die Mülltheorie wurde gleichzeitig unwahrscheinlicher, weil der Rasen hinterher aussah, als wären die Vandalen eingefallen. Spitze, echt. Gut, dass Paris offenbar genug Geld hat und die Sache noch dazu von Coca Cola gesponsort wird.

Nach dem Siegestreffer flammten Tribüne und Spielfeld rot auf.Ich weiß nicht, ob überhaupt der Versuch unternommen wurde, Feuerwerkskörper aus dem Stadion fernzuhalten, aber ich bin so oder so froh, dass etliche vorhanden waren. Von Fackeln bis hin zu Raketen war alles da, um Tore gebührend zu feiern. Naja, das eine in dem Fall. Und nach dem Spiel wurde dieses Mal auch nicht direkt der Saft der Leinwand abgedreht. Pfui, Ungleichbehandlung. Die Feier verlagerte sich trotzdem relativ schnell auf die Straße. Um halbwegs in vernünftigem Tempo nach hause zu kommen, musste ich an der sehr breiten Straße vorbei abkürzen und natürlich war überall Hupen und Jubeln.

Unglücklicherweise können sich einige offenbar nicht freuen, ohne etwas kaputt zu machen. Schon im Stadion hat einer vor lauter Freude mit aller Wucht auf eine Stange des Geländers eingetreten, bis diese völlig verbogen war, an der Porte d'Orléans waren schon nach dem letzten Spiel ein halbes Dutzend großer Scheiben einer Bushaltestelle zertrümmert worden, nach diesem Spiel habe ich dort jemanden einen Autofahrer prügeln sehen und in der Nähe der Champs-Elysée hat wieder ein Auto gebrannt. In den Medien findet man darüber aber wohl so gut wie nichts. Soll ja eine lustige WM sein!

2 Comments:

  • Hi, loved your pictures. Thanks for mentionning mobjazz. See you sometime.

    By Blogger mjazz, at 2/8/06 10:05  

  • Sorry, completely forgot to answer. Thanks for complimenting my photos. And thank you for the detailed coverage of this event.

    By Blogger mudd1, at 30/9/06 12:34  

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home