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Frog Blog

17.3.06, 10:38 Uhr

DADVSI

„Projet de loi relatif au droit d'auteur et aux droits voisins dans la société de l'information”, abgekürzt „DADVSI”. So heißt das Gesetzesprojekt, das das Urheberrecht in Frankreich „anpassen” sollte, zwischenzeitig zu einem kleinen Funken 21. Jahrhundert wurde und jetzt doch wieder das letzte Jahrhundert zementiert. Gestern Abend war die letzte Sitzung, die licence globale spielte ja schon länger keine Rolle mehr, Dienstag wird es dann verabschiedet werden. Was steht drin? 30.000 Euro Strafe und 6 Monate Knast für diejenigen, die Informationen oder Software zur Verfügung stellen oder verbreiten, die hilft, Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen. Wer privat DRM-Maßnahmen umgeht, wird mit 3750 Euro belangt, nur 750 wenn er dabei einfach nur eine Software bedient, die das für ihn tut. Hiervon allerdings ausgenommen ist ausdrücklich eine Umgehung des Kopierschutzes zu Zwecken der Interoperabilität oder sonstiger Durchsetzung der Rechte, die man an dem Werk erworben hat. Und schließlich kostet das unerlaubte Herunterladen und Erwischtwerden 38 Euro und das Anbieten urheberrechtlich geschützten Materials 150 Euro.

Und während der Debatte gestern hat der Kultur- und Kommunikationsminister, dessen Name so lang ist, dass er oft nur RDDV genannt wird, angekündigt, die Maßnahmen würden durch „P2P-Software, die die IP-Adresse des zuwiderhandelnden Internetnutzers herunterlädt” durchgesetzt werden. Hauptsache man weiß, wovon man redet. Und irgendwie sehe ich schon Viren heraufziehen, die jahrhundertelang nicht upgedatete Windowsrechner in eMule-Relays verwandeln.

Die Leute, die DVD-Abspielgeräte für Linux bereitstellen, sind aber nicht am schlimmsten dran. Richtig fies wird es für die, die Software schreiben, die irgendwann mal von einem Gericht als „offensichtlich auf die Bereitstellung von urheberrechtlich geschütztem Material abzielend” erachtet wird. Die erwischt es nämlich mit 3 Jahren Bau und 300.000 Euro Strafe ziemlich kalt. Der Änderungsantrag, der diese weltweit einzigartige Regelung ins Gesetz eingebracht hat, wurde übrigens inoffiziell allgemein „Änderungsantrag Vivendi Universal” genannt. Nun denn.

Vor allem zeigt ja die Erfahrung mit der Legislative, dass es Richter gibt, die sich bequemen, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und andere, die haarsträubenden Unfug entscheiden, wo sich jeder, aber auch jeder, der sich etwas auskennt, nur noch an den Kopf packen kann. Von daher wäre ich nicht sonderlich überrascht, wenn hier in Frankreich demnächst der Autor eines FTP-Servers in den Bau geht, weil ja schließlich jeder weiß, dass FTP ein Protokoll für Verbrecher ist, während normale Internetnutzer außer HTTP in ihrem Leben nie etwas sehen werden. Letzteres stimmt für viele wahrscheinlich sogar, was noch viel mehr Protokolle in die „Kenn ich nich', ist bestimmt Teufelswerk”-Ecke drängt. Denn zum Beispiel Bittorrent-Software zu schreiben ist in Frankreich wahrscheinlich jetzt fast Selbstmord, auch wenn ich das Protokoll wie gesagt nicht gerade selten nutze und noch nie für irgendwas Illegales. Aber es ist P2P und das ist böse. Liegt vielleicht auch daran, dass „peer to peer” auf Französisch vom Lautbild her „schlimmer to schlimmer” heißt. Besonders blöd daran übrigens, dass mein Lieblingsbittorrentclient für den Mac soweit ich weiß von einem Franzosen geschrieben wird. Hoffentlich ist er mutig genug, weiterzumachen!

Nachtrag: Göttlicher Hinweis im Heise-Forum! Vivendi verwendet selber Bittorrent :D

2. Nachtrag: Ein schöner Artikel in Le Monde, wo unter anderem der Regierung unter die Nase gerieben wird, was für einen Mist sie verzapft haben, zum anderen noch ein Detail, das etwas untergegangen sein könnte, herausgearbeitet wird: Es gibt im Gegensatz zu früheren Plänen keine Verpflichtung mehr, eine gewisse Anzahl von Privatkopien zu gestatten. Wem fünf zu wenig war, jetzt sind es null. Im Gegenteil, (verschlüsselte) DVDs auf seiner Festplatte zu speichern ist ausdrücklich verboten und kopiergeschützte CDs rippen kann man sich im Zweifelsfall sogar auch von der Backe putzen. Wahrscheinlich darf man sich dann die CD, die man für teures Geld gekauft hat, nochmal für 99 Cent pro Titel runterladen, wenn man sie auf seinem iPod hören will. Spitze. Wird vor allem auch jeder machen. Wenn wir jetzt schon eine Gesellschaft haben, wo wahrscheinlich jeder zweite ein „Verbrecher” ist, dann ist es bald so ziemlich jeder, der einen Computer hat und Musik darauf hört. Immerhin kommt dann nicht mehr so oft das bescheuerte Argumente gegen die totale Überwachung: „Wieso, ich hab doch nichts zu verbergen!” Doch, hast du! Und mit etwas Glück und der Gnade von Vater Staat deinem unfehlbaren Gott kannst du dich durch Ablasszahlungen vor der ewigen Verdammnis retten!

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