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Frog Blog

28.5.06, 01:09 Uhr

Aller guten Kritiken sind drei

David Strathairn als Fernsehreporter Edward R. Murrow wünscht seinen Zuschauern eine gute Nacht und viel Glück.Irgendwie habe ich die Grammatik dieses Satzes noch nie zur Gänze begriffen, aber irgendwas musste ich ja dazu sagen, dass ich euch jetzt schon den dritten Filmartikel in Folge um die Ohren kloppe. Und schon wieder ein Film, der schon vor ewigen Zeiten angelaufen und deshalb für die meisten Leser wohl nicht mehr verfüchbar ist. Einer der Vorzüge von Paris, hier ist es fast unmöglich, einen Film zu verpassen. Aber zum Glück ist es diesmal so, dass man sich diesen Film ohne großen Verlust auch auf einem Fernsehbildschirm angucken kann. Denn es geht nicht um eindrucksvolle Bilder. Nein, die Bilder verfügen sogar über etwas nicht, von dem man kaum für möglich gehalten hätte, dass es das in einem modernen Film noch gibt: Ihnen fehlt die Farbe. Dieser Film ist komplett in schwarz-weiß und wenn George Clooney nicht wäre, könnte man ihn für einen uralten Schinken halten.

Er behandelt auch ein uraltes Thema, das aber deswegen nicht weniger aktuell ist: Die Einflussnahme auf die Medien. Nicht durch Schmiergelder oder erschossene Chefredakteure, nein, vor allem einfach durch „das können wir nicht machen”-Empfinden, etwas Druck, Tabuthemen und von allem Diskreditierung von Personen. Früher war es da in westlichen Ländern besonders beliebt, Leuten vorzuwerfen, ein Kommunist zu sein, heute ist es eben der Vorwurf, ein Sozialschwärmer oder sonst eine Sorte unvernünftigen linken Spinners zu sein. Besonders gut in solchen Vorwürfen war der amerikanische Senator Joseph McCarthy; so erfolgreich sogar, dass gleich eine ganze Ära nach ihm benannt wurde. In dieser Ära spielt Good Night, and Good Luck und es geht um die Journalisten, die es als erste wagten, sich gegen den Senator zu stellen.

Cooler Typ mit Zigarette vor Fernsehkamera.Das ganze wird wahrscheinlich ziemlich idealisiert und auf jeden Fall sehr patriotisch dargestellt, aber das stört nicht wirklich. Es ist eher Ausdruck eines gewissen Minimalismus' in diesem Film, der sich außerdem an Dingen wie einem sehr klaren Plot und eben der Abwesenheit von Farbe festmachen lässen. Es geht im Grunde um ein paar coole Typen, die in einem Fernsehstudio sitzen, Zigarette rauchen und die Welt dadurch verändern, dass sie die Wahrheit sagen.

Aber es ist eben der heutige Mangel an solchen coolen Typen, von mir aus auch Nichtrauchern, der dem Film diese Brisanz verleiht. Wobei, eigentlich ist es trauriger. Zwar stimmt es, dass es nicht viele von solch aufrechten und investigativen Journalisten gibt, aber vor allem haben die, die es doch gibt, irgendwie keinen Einfluss. Wer guckt schon Monitor? Wer liest schon die taz? Ich erinnere mich, was mich im Film am meisten überrascht und in Erstaunen versetzt hat, war das bombastische Medienecho nach jedem Beitrag. Alle großen Zeitungen haben darüber geschrieben – die einen haben ihn in höchsten Tönen gelobt, die anderen haben „Kommunist!” geschrien, aber alle haben sie reagiert. Was passiert denn heute, wenn Monitor wieder mal einen Skandal aufdeckt? Werden sie als rote Socken denunziert? Findet eine Hexenjagd statt? Wird der Bericht bei Christiansen zerrissen oder in der Bild über ihn gewettert? Nein, es passiert einfach nichts. Und das ist wahrscheinlich das schlimmste überhaupt.

Nachtrag: Wer glaubt, es seien die Zeiten vorbei, in denen man nur mit dem Finger auf jemanden zeigen und „Kommunist!” rufen musste, um ihn in extreme Probleme zu bringen, der hat die Rechnung ohne die neue Generation selbstgerechter Neoliberaler gemacht. Zitat aus dem Artikel:


Kritische Journalisten würden nach der Methode des sog. Blaming als z.B. gewerkschaftsnah oder Attac-Sympathisanten dargestellt, um ihre Glaubwürdigkeit zu unterlaufen. Diese Form der Einflussnahme auf kritische Berichterstattung habe eine neue Qualität bekommen. Betroffen seien vor allem freie Journalisten.


Na dann gute Nacht und vor allem viel Glück.

2 Comments:

  • Hallo Christian,

    Nein, es passiert einfach nichts. Und das ist wahrscheinlich das schlimmste überhaupt.

    Dazu kann ich dir nur Chomsky ans Herz legen, der verallgemeinerte, dass es sogar effektiver ist, das Falsche zu diskutieren als jeden Diskurs zu verbieten, und in diesem Sinne die USA (und Deutschland) die bessere Propagandamaschine haben als die Sowjets: Drüben haben sie den Leuten das Maul verboten, hier schreien sie einfach so laut, dass man sie eh nicht hören kann.

    Schönen Gruß, Steve

    By Anonymous Steve, at 28/5/06 19:50  

  • Hallo nochmal,

    hast du zum Thema der INSM-Propaganda die Affäre um das dpa-Foto "Gordischer Knoten" mitbekommen?

    Sehr lustige Geschichte, das. Wenn jemand der Lesenden noch nicht informiert sein sollte: INSM hat seine Praktikanten einen riesigen Tauknoten bauen lassen, dann zog jeder an einem Ende, einige Passanten wurden in den Hintergrund gestellt und das fotografiert. Artikel drumherum ("Junge Leute protestieren für Föderalismusreform") und, man glaubt es kaum, dpa hat das sofort genommen und als unabhängige Nachricht verkauft.

    Inzwischen hat sie die dpa entschuldigt und versprochen, dass das bestimmt nicht wieder vorkommt. Aber wenn die INSM selbst Presseagenturen aufs Kreuz legen kann, so ist ihr Arm wahrhaftig lang geworden.

    Schönen Gruß, Steve

    By Anonymous Steve, at 31/5/06 16:46  

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