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Frog Blog

26.5.06, 22:04 Uhr

Maria Antonia Josepha Johanna Kristina Dunst

Kirsten Dunst als Marie AntoinetteIch war heute in Marie Antoinette (hier ein Link über die historische Person; ich wollte den Link eigentlich eleganter auf ihren Namen legen und den Link zum Film auf „Verfilmung” setzen, aber das hätte so geklungen, als hätte ich mit Kirsten Dunst geschlafen oder so, also sprach doch einiges für diese Version), einer Hollywood-Verfilmung des Lebens der Frau Ludwig des XVI., die mit diesem zusammen während der Revolution hingerichtet wurde. Vielleicht ist es etwas gemein, euch jetzt schon von diesem Film zu erzählen. Denn in Deutschland läuft er laut Filmstarts.de erst am 4.1.2007 (!) an. Naja, auch elektronisches Papier ist ja geduldig.

Aber lohnt es überhaupt, so lange auf den Film hinzufiebern? Oder sollte man einfach den Verleiher lynchen und den Film dann trotzdem nicht gucken? Nun, diese Frage ist nicht klar zu beantworten. Wenn man auf das wieder modern gewordene Genre des Historienschinkens steht, wird man in diesen Film eh gehen. Und wahrscheinlich nicht enttäuscht werden. In sämtlichen Aspekten mindestens solide, lässt er sicher niemanden frustriert zurück. Anscheinend wurde allerdings versucht, das Genre etwas aufzupeppen, was sich vor allem in Form anachronistischer Musik manifestiert. Während man – solange es Musik zur Untermalung der Szenen bleibt – noch „Aha... interessanter Versuch” denkt, sind die rockigen Schlagzeugklänge als Musik des Maskenballs dann doch irgendwie nur noch albern, zumal die Gäste sich dazu in einer bizarren Kreuzung aus angebrachtem barocken Rumgehopse und modernem Individualtanz verhalten über die Tanzfläche moshen. Wenn das jetzt seltsam klingt, ist es nicht meine Schuld.

Was das Historische angeht kamen mir Anfang und Ende des Lebens Marie Antoinettes etwas zu kurz und auch die französische Revolution wird nur angerissen. Gut dargestellt wird allerdings die Persönlichkeitsentwicklung vom naiven Kind über das dekadente Kind bis hin zur Verantwortung übernehmenden Königin. Auch hier hätte man sich aber mehr Zeit lassen können. Immerhin reicht es aber dafür, dass man sich jederzeit gut in Marie Antoinette hineinversetzen kann. Egal ob sie gerade Torte an ihren Hund verfüttert oder sich aufrichtig aber halbherzig um ihr Volk sorgt – ihr Verhalten wird immer gut motiviert und der Wandel von ihren letztendlich klein erscheinenden Problemen am Hofe, die die weitaus meiste Zeit im Film in Anspruch nehmen, zum plötzlichen Sturz in die Realität ihres Landes stellt einen sehr interessanten Kontrast dar.

Die Kulissen und Kostüme lassen sich nur als beeindruckend beschreiben und Kirsten Dunst ist eine sehr gute Besetzung für die Rolle. Auch der mir noch nie bewusst über die Leinwand gelaufene Jason Schwartzman als selbst im Bett furchtbar unsicherer König macht seinen Job gut (wie die Figur allerdings jahrelang neben seiner hübschen Frau liegen und sie dabei andauernd nur von sich weisen konnte, wird leider nur unzureichend erklärt wie ich finde). Und irgendwer beim Casting hatte ein Auge für hübsche Hofdamen ;)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Film unterhaltsam ist, aber wahrscheinlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Wer sich für die Zeit, die interessante Figur Marie Antoinettes oder für Geschichte allgemein interessiert, wird sich den Film trotzdem auf jeden Fall angucken wollen, alle anderen werden in der Hoffnung auf einen unterhaltsamen-aber-auch-nicht-mehr Abend nicht enttäuscht werden.

Nachtrag: Um Himmels Willen, jetzt hab ich doch glatt einen der wichtigsten Nervfaktoren vergessen: Die Sprache. Der Film ist wie gesagt aus den USA, also reden da alle Englisch. Das ist schonmal ziemlich blöd irgendwie, wo es ja in dem Film um Österreicher und Franzosen geht. Aber gut, ist halt übersetzt. Jetzt konnten sich die Verantwortlichen aber wohl nicht verkneifen, doch irgendwie noch Französisch reinzubringen, und zwar gerade das, was ein Durchschnittsamerikaner wahrscheinlich noch versteht. Also nicht viel. Oder das, was grade irgendwie nichts zur Sache tut. Oder was irgendwie mal so eingestreut ist. Also hat man hier ein „Merci”, da ein „À Paris!”, jede Menge „Madame” und „Monsieur”, dann noch ein bisschen französisches Kindergebrabbel, welches dann zu englischem Gebrabbel wird, als das Kind etwas älter ist (WTF?) und so weiter. Die meisten Franzosen hatten einen Akzent im Englischen, aber nicht alle und manche sogar in ihrem Französisch. Die Österreicher hatten keinen Akzent. Und Deutsch habe ich genau ein Mal gehört: „Guten Morgen!” Das hätte man sich irgendwie ganz verkneifen sollen, alles auf Englisch und ich wäre nicht dauernd irritiert gewesen, wo jetzt auf einmal die Fremdsprache herkommt. Oder noch besser hätte ich es gefunden, wenn man es wie bei L'Auberge Espagnole gemacht hätte: Jeder spricht einfach die Sprache, die er grade spricht und der Rest sind Untertitel. Das hätte ganz neue Freiheitsgrade eröffnet, was die anfänglichen Probleme Marie Antoinettes am Hof von Versaille angeht und in den Beziehungen der Figuren untereinander. Aber das ist wahrscheinlich nicht Hollywood-like. Denn bei Filmen aus Hollywood gibt es meiner Erfahrung nach fast durchgängig eine gewisse Höchstdauer an Untertitelung, die man den Leuten zumuten darf. Danach fangen die Russen oder Araber einfach unmotiviert an, Englisch zu sprechen oder irgendwer beschwert sich, dass des anderen Russisch/Arabisch zu schlecht ist und er doch lieber Englisch sprechen soll. Aber mich nervt sowas, entweder man verkneift es sich ganz oder – und das finde ich viiiiiiel besser – man lässt die Sprachen, wie sie sind. Untertitel müssen dann halt sein.

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