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Frog Blog

25.1.06, 14:47 Uhr

„Was ist eigentlich mit...?” Teil 1

Was ist eigentlich mit mir und dem IRCAM? Gute Frage, ich hatte ja im Dezember auf meine Nachfrage hin die Nachricht bekommen, dass ich im Januar Nachricht bekommen würde. Im Januar habe ich dann deshalb nochmal nachgefragt und tatsächlich Nachricht bekommen, allerdings keine gute. Er hätte leider keine Zeit in den nächsten Monaten ein Projekt zu betreuen. Hmpf. Er hat mir aber angeraten, mich an den Leiter der Arbeitsgruppe Sound Design zu wenden, die ich übrigens selbst auch schon beim Begutachten der Seiten ins Auge gefasst hatte, weil die ziemlich viel machen, was mich interessiert. Also war ich gestern wieder im IRCAM, um mit diesem Menschen zu sprechen. Den besten Eindruck macht man immer, wenn man sich schon Vormittags aus dem Bett quält und dahin geht, was ich ganz entgegen meines studentischen Triebs auch gemacht habe. Da ich ja schon wusste, dass das IRCAM Hochsicherheitszone ist, wo man ohne den gelben Passierschein A38 nicht einfach so rein kann, habe ich also die Pförtnerin gefragt, ob sie vielleicht mal da anrufen könne. Und da die sogar ganz nett war, ging das alles ohne größere Probleme über die Bühne... leider ohne Erfolg, er war noch nicht im Institut eingetroffen.

Also hab ich mir überlegt, wie ich die Zeit bis zum Nachmittag totschlagen könnte, um es dann noch einmal zu probieren. Überlegenderweise habe ich ein paar Fotos von dem Brunnen vor der Tür gemacht, der nämlich halb zugefroren, aber noch in Betrieb war und dadurch echt toll aussah. Dann kam mir die Idee: Wo ich schonmal wieder Vormittags in der Stadt wäre, könnte ich ja auch wieder einmal von den günstigen Kinotarifen profitieren. Also ab in Jarhead, der lief im nahegelegenen Forum des Halles. Letzteres ist ein riesiges Einkaufszentrum, das an die Stellen der alten Markthallen im Zentrum von Paris getreten ist. Ich war da zwar schonmal, bin aber wieder verschwunden, sobald ich was zu essen gefunden hatte. Ich hatte ja keine Ahnung wie riesig das ist. Sagen wir mal so, ich wusste durch den Kinoführer, dass sich das Kino auf Ebene -3 befand und wie schwierig kann ein Multiplex schon zu finden sein? Haha, stupid me. Sagen wir mal so, auf Ebene -3 befindet sich nicht nur ein Multiplexkino sondern auch ein McDonald's, ein Quick, ein Starbucks, unzählige Baguetterien, über hundert Geschäfte, zwei Plätze, eine Métrostation und ein Schwimmbad. Naja, ich bin dann irgendwann nem Plan über den Weg geirrt und ab da ging's dann auch. Ich hab also das Kino gefunden, da war aber nur ein klitzekleines Häuschen mit zwei Kassen darin, in der einen hing schon ein Schild „Kasse geschlossen”, in der anderen war auch niemand, aber immerhin stand da jemand vor. Naja, ich mich also dahinter gestellt und auf die Rückkehr des Kassenmenschen gewartet. Wir standen da eine Weile, der Herr vor mir in der Schlange fuhrwerkte dann noch irgendwie in seinem Rucksack rum... und ging weg. Ich wollte ihn grade fragen, ob er denn schon lange gewartet hätte, dass er jetzt einfach geht, da fällt mein Blick auf die Kasse, vor der er gestanden hatte und vor allem auf das Schild darin: „Kasse geschlossen”

Ah, verdammte Tat! Müßig zu überlegen, ob mich der Mensch die ganze Zeit nicht wahrgenommen hat oder ob er sich die ganze Zeit gefragt hat, warum ich mich einfach in seine Nähe stelle. Ich bin dann in den unscheinbaren Eingang gegangen und hab die Abreißer gefragt, wo ich denn ein Ticket erstehen könne, weil an der Kasse keiner wäre. Die Frau von den beiden war erstmal völlig entsetzt, dass an der Kasse keiner wäre, aber dem Mann dämmerte dann, wo mein Irrtum gelegen hatte und verwies mich auf die Kassen eine Etage höher. Und tatsächlich gab es da gleich vier besetzte Kassen und jeweils einen Haufen Menschen davor, die da auch tatsächlich Kinokarten kaufen wollten.

Ich hab mir dann also Jarhead angeguckt und naja, irgendwie nicht so mein Film. Ich meine er war gut gemacht in sofern, als man sich hinterher genauso zermatscht und mitgenommen gefühlt hat, wie die Soldaten nach Monaten des Stumpfsinns in der Wüste, aber als Film als solcher hat er mich nicht wirklich mitgerissen. Es war allerdings schon interessant, diese Perspektive des Infanteristen auf einen Krieg zu sehen, der aus der Luft geführt wurde. Zumal der Film auf einem autobiographischen Buch basiert. Das macht dann Szenen, wie die Flugzeuge, die aus Spaß und Arroganz auf die eigenen Fußsoldaten schießen, noch... naja, noch was? Im Grunde noch schwerer zu ertragen und das brauch ich irgendwie selten. Also Fazit: Wer vergessen hat, wie scheiße Krieg ist, auch und gerade in Zeiten der „chirurgischen Kriegsführung”, der muss in diesen Film (dass man so ein Kandidat ist, merkt man unter anderem daran, dass man mit der CDU sympathisiert oder sich sonstwie für das Anzetteln eines Krieges einsetzt). Alle anderen können das auch gerne bleiben lassen.

Dann ging's also wieder zurück zum IRCAM. Den Weg aus dem Forum des Halles habe ich verhältnismäßig schnell gefunden, den Rückweg zur richtigen Métrolinie allerdings nicht. Jetzt muss man wissen, dass das Forum des Halles direkt an der RER-Métro-Haltestelle Châtelet - Les Halles liegt. Das Dingen ist der größte unterirdische Bahnhof Europas und genauso gut ausgeschildert wie viele Métrostationen in Paris... nämlich pas terrible, nicht gerade überragend. Unter anderem frage ich mich auch, was die Leute machen, die aufgrund ihrer Einmalfahrkarten nicht mal grade durch die RER-Barrieren rein und ein paar hundert Meter später wieder raus können, um dann zu den richtigen Laufbändern zur Métro zu gelangen. Ist ja auch egal, ich habe das zweite Labyrinth des Tages auch bewältigt. (Und dabei war die Minotaurusnummer dagegen bestimmt ein Klacks: Das war bestimmt weder auf 40.000 m2 wie das Forum des Halles und außerdem möchte ich auch nicht wissen, was die Menschenmassen mit dem Ariadnefaden gemacht hätten. Dem hätt ich keine 30 Sekunden gegeben, bis er sich als rote Fusseln im Wind verteilt hätte.)

Ich hab's also wieder zurück geschafft, stand aber dann vor dem Minotaurus einer anderen Pförtnerin. „Nein, er kennt mich auch noch nicht.” „Aber Sie haben ihm schon einen Mail geschrieben.” „Nein, ich dachte ich könnte einfach mal...” „*entsetzterTodesblick* Nein, Sie können nicht einfach hier reinspazieren, was glauben Sie denn.” „Ich wollt doch auch vorher mit ihm am Telefon sprechen!” „Ok, dann erklären Sie mir nochmal ganz genau, wer Sie sind, was Sie hier machen und was Sie wollen.” Meine Herren. Naja, ich hab dann mein Telefongespräch bekommen und durfte sogar glauch runterkommen. Natürlich würde mir die Pförtnerin das nie glauben und darauf war ich sogar vorbereitet, deshalb hatte ich zuhause im Wörterbuch nachgeschlagen, was „Pförtner” auf Französisch heißt. „Concierge” stand da als einzige Möglichkeit, also sag ich zum Abschluss am Telefon: „Ich geb Ihnen dann nochmal die Concierge, ja?” Woraufhin diese in Lachen ausbricht: „Ha! ‚Concierge’, das ist gut!” „Entschuldigung, ich...” „Nein, nein, ich find's ja lustig! Lachen ist gesund! ‚Concierge’...” Nachdem sie fertig war, hab ich sie dann nochmal gefragt, wie denn ihr richtiger „Titel” gewesen wäre. Antwort: „Ich hab' keinen Titel.” Ok, danke, das hat mir wirklich geholfen.

Zum Glück war der Herr, der mich empfangen hat dann aber deutlich umgänglicher und klang sehr aufgeschlossen. Allerdings hatte er wenig Zeit und wir wollen uns nächste Woche nochmal treffen. Bis dahin sollte ich ihm eine Mail schicken, wo unter anderem die Doku zu meinem letzten Projekt drin ist. Hab ich natürlich gleich erledigt, jetzt hilft nur Hoffen und Harren.

3 Comments:

  • Hi,

    Ich hab's also wieder zurück geschafft, stand aber dann vor [...] einer anderen Pförtnerin.

    Ich habe hier aehnliche Erfahrungen mit wirklich paranoiden Verhaltensweisen gemacht. Es gibt wohl eine ganze Menge Menschen, die ihre Einrichtungen für interessant genug halten, um in die Luft gesprengt oder ausspioniert zu werden. Oder sehr paranoide Versicherungen.

    Auf jeden Fall geht mir das auf den Keks, aber gründlich. In meiner neuen Wohnung muss ich, um abends hereinzukommen, eine Chipkarte haben und durch zwei PIN-gesicherte Tore, bevor ich endlich den Schlüssel herauskramen darf, um die Tür aufzuschließen.

    Schönen Gruß, Steve

    By Anonymous Steve, at 26/1/06 12:52  

  • Wenn jemand mit seiner Einmalkarte zuerst ueber den RER Eingang in die Metro gelangt, ist sein Ticket immernoch gueltig, da er sich ja in der Mertozone befindet... bis er auch aus dieser herausgeht.

    Das Einkaufszentrum wird uebrigens bis 2012 komplett abgerissen und neu konstruiert. Leider ist die Austellung der 4 zu Abstmmung gestandenen Modelle seit wenigen Monaten geschlossen (wer gleich neben den Kinos). Vielleicht findest Du aber ueber Google Photos der Modelle...

    Die Daten fuer die Navigokarte sind in der Tat so vertraulich auch wieder nicht. Die Bedingungen wurden vor ca. einem Jahr Verbraucherfreundlicher gemacht, jedoch werden immernoch Wohnort und Name mit gespeichert und solange das der Fall ist werde ich diese Karte ebenfalls nicht nehmen. Es gibt zwar Gesetze, jedoch sind diese nicht mit denen in Deutschland vergleichbar. Uebrigens kommt bald die neue Version der Carte Orange heraus, die ebenfalls Chipbasiert ist aber Annonym... wie die gute alte Carte Orange.

    By Anonymous Florian DITTGEN, at 26/1/06 22:02  

  • Danke für die ganzen Infos :) Das mit dem Abriss ist allerdings so schade wirklich nicht. Vorausgesetzt natürlich, der Nachfolger macht optisch dann wenigstens was her. Aber viel kleiner wird das auch nicht werden, oder?

    By Blogger mudd1, at 27/1/06 23:46  

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