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Frog Blog

2.5.06, 00:16 Uhr

Mugetten, Cousins und Sozialisten

Das ist das Maiglöckchen, das ich meiner Oma geschenkt habe.Der Tag der Arbeit wird wohl so ziemlich weltweit gefeiert, in Frankreich gibt es aber eine nette Tradition zum 1. Mai. Und zwar verschenkt man da Maiglöckchen. Wahlweise an Leute, die man mag, solche, denen man danken möchte oder einfach an so ziemlich jeden, den man kennt. Deshalb stehen in Frankreich am Ersten Mai auch überall in den Straßen Leute mit kleinen Ständen und verkaufen Maiglöckchen („muguets” auf Französisch).

Nur einer der vielen Stände. Offenbar kennt man sich :)Also wirklich überall: Ich hab mich erst gefragt, ob denn hier auf dem kleinen Platz hier um die Ecke auch ein Verkäufer ist... nein, da waren VIER! Und noch einer vor dem Bäcker, bei dem die Leute übrigens schon bis auf die Straße eine riesige Schlange bildeten. Es war ein Bild wie damals in der DDR, nur dass ich die Schlangen nur aus dem Fernsehen kannt. Aber war wohl einer der wenigen Bäcker, die geöffnet hatten. Das Maiglöckchen für meine Oma habe ich jedenfalls bei der Parti Socialiste gekauft. Die waren auch echt nett und ich war sehr erfreut, dass mein Französisch anscheinend inzwischen ausreicht, um mit fremden Menschen rumzualbern.

Auf jeden Fall ist das hier ne Riesensache mit den Maiglöckchen, überall laufen Leute mit frisch erstandenen Muguets rum und eine Frau hatte ihren ganzen Fahrradkorb mit welchen vollgeladen und meine Tante hat ihrer Mutter auch eins mitgebracht. Und im Fernsehen haben sie gesagt, dass manche der Verkäufer sogar aus Südfrankreich anreisen, um Paris zu beliefern. Sehr oft sind das nämlich einfach Privatleute, die die Wälder nach diesen Blumen durchkämmen und sie dann verkaufen, denn es gibt wohl eine Sonderregel im französischen Gesetz, dass man am Ersten Mai Maiglöckchen verkaufen darf, ohne vorherige Genehmigung.

So nett guckt er ja da grade nicht, aber ich fand's einfach zu knuffig :)Ansonsten hat meine Tante gestern Abend ihren Oscar bei uns abgeliefert, um endlich mal wieder auf ne Party gehen zu können und ich wurde richtig schön eingespannt, weil meine Oma momentan den Rücken kaputt hat und deswegen kein Kind heben kann. Voll toll... also nicht, dass meine Oma den Rücken kaputt hat, aber so durfte ich auch mal ein bisschen was mit Oscar machen, obwohl meine Oma dabei war. Die ist sonst immer so einnehmend.

Libérez les prisonniers! Mein Cousin übt schonmal das Ausbrechen, wenn das kein schlechtes Zeichen ist ;)Meine Oma hat übrigens jetzt einen Laufstall von einer Freundin bekommen, der verhindern soll, dass Oscar plötzlich außer Sicht ist. Zwar kann er noch nicht krabbeln, aber rollen und das ist fast genauso effizient, wenn man mal kurz nicht guckt. Er hat vor allem prompt einen Ausbruchsversuch gestartet, der allerdings nicht von Erfolg gekrönt war insofern, als er rollenderweise wohl dann doch noch nicht aus der Öffnung kommt. Ist aber nur eine Frage der Zeit, bis er sich auf alle Viere begibt und dann ist das kein Hindernis mehr. Meine Oma plant allerdings auch schon eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen mit Seilen... Hallo Wettrüsten!

Die allerneueste Entdeckung: Die Zunge. Außerhalb wie innerhalb des Mundes vielseitig einsetzbar.Oscar hat hingegen ein neues Spielzeug entdeckt und das ist seine Zunge. Die hat er uns die ganze Zeit entgegengestreckt und war damit echt akrobatisch. Der küsst bestimmt mal gut ;) Fürchte aber, er gewöhnt sich das erstmal wieder ab, sobald die oberen Schneidezähne auch durch sind, was ziemlich bald sein wird. So feinmotorisch ist er nämlich noch nicht, er haut sich ständig sein Hartplastikspielzeug an den Schädel, da tut mir ja beim Zugucken schon immer alles weh!

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten, aber hier momentan eine riesige Messe, die Foire de Paris, wo wohl traditionell unter anderem völlig verrückte Erfindungen vorgestellt werden. Mein Highlight aus dem Fernsehbericht: Ein Laserentfernungsmesser fürs Boule-Spiel. Ça rigole pas! ;)

Vielleicht guck ich mir die Messe mal an, die wollen aber natürlich auch etwas Eintritt, außerdem gibt es da so viel Zeug zu sehen, da braucht man eigentlich nen Fremdenführer. Nicht anzugucken brauchte ich mir hingegen das Fußballspiel Paris – Marseille letzten Samstag. Als Paris das Tor geschossen hat, hallten die Freudenschreie von sämtlichen umliegenden Häusern wider! Die Fans der beiden Vereine sind so verfeindet wie man als Fußballfanatiker nur irgendwie sein kann. Für das Spiel wurden eigens RER-Linien für die Fans von jeweils nur einem Team reserviert, damit sie sich auch ja nicht über den Weg laufen. Heute im Fernsehen haben sie dann die deprimiert rumhängenden Fans im Marseille-RER nach dem Spiel gezeigt. Und es kam grade eine Lautsprecherdurchsage à la „Die RATP wünscht Ihnen noch einen schönen Tag!” Reaktion: „SCHNAUZE!” =)

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