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Frog Blog

12.4.06, 23:16 Uhr

Little Differences I – Das Bildungssystem



Vincent: But you know what the funniest thing about Europe is?
Jules: What?
Vincent: It's the little differences. I mean they got the same shit over there that they got here, but it's just - it's just there it's a little different.
Jules: Example.
Vincent: Alright, well you can walk into a movie theater in Amsterdam and buy a beer. And I don't mean just like in no paper cup, I'm talking about a glass of beer. And in Paris, you can buy a beer at McDonald's. And you know what they call a, uh, a Quarter Pounder with Cheese in Paris?
Jules: They don't call it a Quarter Pounder with Cheese?
Vincent: Nah, man, they got the metric system, they wouldn't know what the fuck a Quarter Pounder is.
Jules: What do they call it?
Vincent: They call it a "Royal with Cheese."
Jules: "Royal with Cheese."
Vincent: Thats right.
Jules: What do they call a Big Mac?
Vincent: A Big Mac's a Big Mac, but they call it "Le Big Mac."
Jules: "Le Big Mac." [laughs] What do they call a Whopper?


Die richtige Antwort, zumindest seit 1997, ist hier: „Gar nicht, in Frankreich gibt es keinen Burger King.” Dafür gibt es Quick, eine belgische Fast-Food-Kette mit ganz furchtbar hartem Fleisch in den Burgern. Schlechter Tausch. Außerdem falsch: Der Royal with Cheese heißt nicht Royale with Cheese sondern einfach nur Royale Cheese.

Aber das eigentlich nur als Einleitung zu einer kleinen Serie über kleine kulturelle Unterschiede zwischen Frankreich und... nein, nicht den USA, sondern Deutschland. Und aus aktuellem Anlass fange ich da mit einem Zitat vom neuen SPD-Führer Kurt Beck: „Ich würde mich auch wünschen, dass wir bei manchen Seiteneinsteigern, die hochqualifiziert sind, aber kein zweites Fach anbieten können, in die Schule übernehmen.” Abgesehen vom „Deutsch”, bei dem ich nicht weiß, ob es von der taz oder von Kurt Beck verbrochen wurde, ist das ja mal für Deutschland echt ne revolutionäre Aussage. Vergleich Frankreich: Da wurde vor kurzem in einer Fernsehdiskussion fast jemand für verrückt erklärt, als er vorschlug, Lehrer könnten in Zukunft doch auch vielleicht noch ein zweites Fach unterrichten, weil das doch andere europäische Länder auch und überhaupt... Hier ist die Haltung eher: Ein guter Lehrer für ein einziges Fach zu sein, ist schwer genug. Eine durchaus vernünftige Haltung, wie ich finde, die automatisch dazu führt, dass ein wirklich guter Leher zu sein als echte Hochleistung anerkannt wird und ein Lehrer nicht irgendwie ein Möchtegernprof ist mit weniger Prestige. Auf der anderen Seite hat das natürlich alles keinen Zweck, wenn es keine Möglichkeit gibt, einen schlechten Lehrer loszuwerden. Da hilft es auch nichts, immer wieder zu predigen, wie sehr man Lehrer für ihre Arbeit schätzen sollte, wenn jeder genug Beispiele kennt, wo jede Schätzung zu hoch gegriffen ist.

Ansonsten bin ich eher kein Freund des französischen Schulsystems. Lesen lernen fängt schon in der Vorschule an und so gut ich optionale Ganztagsschulen finde, so gestört find ich es doch, Ganztagsschulen für alle zu haben und den armen Schülern dann auch noch Hausaufgaben aufzugeben. Ob Schule an sich so konservativ ist, wie das Vorurteil sagt, kann ich nicht beurteilen, wohl aber ist es so, dass im Fremdsprachenunterricht nicht die Fremdsprache gesprochen wird. Kein Wunder, dass die Métro mit privaten Englischkursen zugekleistert ist. Sie ist auch mit professionellen Nachhilfeangeboten zugekleistert, was tatsächlich dafür spricht, dass der Leistungsdruck nicht unerheblich ist. Außerdem habe ich mich über ein paar subjektive Eindrücke bezüglich der Leistungsgeilheit schon geäußert, was ich noch nicht erwähnt habe, ist das jährliche staatliche Gymnasienranking, das hier im Fernsehen durchgekaut wurde. Schön mit Nennung der Lycées, die gut abgeschnitten haben. Auch wenn Florian (III) ja beruhigenderweise sagen konnte, dass die Schule, auf der man war, bei normalen Bewerbungen nicht so die Rolle spielt, find ich das schon reichlich krank.

Oh und ein Unterschied, der weder gut noch schlecht sondern einfach interessant ist: Der Mittwoch ist in Frankreich schulfrei. Hat irgendwie historische Gründe, die ich leider wieder vergessen habe, aber das ist immer noch so und wird gerne genutzt, um die Kinder doch noch irgendwie in Vereinen unterzubringen oder sonstwelche nützlichen Dinge zu lernen (Instrument, Tanzen...), die man in der Schule nicht vermittelt kriegt.

PS: Der obige Zitatblock ist, wer es nicht erkannt hat, aus Pulp Fiction.

1 Comments:

  • Fiel hier das Wort "Seiteneinstieg"????

    Das zweite Fach kann schon echt ein Problem darstellen. Zwar liegt Mathematik vielleicht auf den ersten Blick als zweites Fach für einen Informatiker nahe, aber mein (Schul-)Wissen in Mathematik hatte sich im Laufe der Jahre rapide zurückentwickelt. Nicht zuletzt, weil es durch Vorlesungswissen ersetzt wurde. Ich hätte also geistig zwei bis drei Schritte wieder zurückgehen müssen. Was mir an sich nicht schwer fallen würde :), nur leider wurde einem dabei im Referendariat nicht wirklich geholfen.

    Auf der anderen Seite hätten die Quereinsteiger aber wohl einen schlechten Stand gegenüber den grundständig ausgebildeten Kollegen. Ich habe ja zum Glück dumme Sprüche und Herabsetzungen fast nicht erlebt, aber wenn es an den Schulen wirklich eine Zweiklassengesellschaft gäbe, sähe das womöglich anders aus.

    Ach ja: Wann wohl das Beck-Zitat "Mehr Mut zur Offenheit und weniger Mathematik, wenn es um Zehntelnoten geht." durch Weglassen des Nachsatzes falsch wiedergegeben wird...

    By Blogger Örn, at 13/4/06 18:41  

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