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Frog Blog

21.7.06, 14:55 Uhr

Drei Ringe, sie zu trennen

Nur weil ich mir den Davidstern aufs T-Shirt drucken lasse, bin ich noch lange nicht der Fürsprecher des Judentums auf Erden. Gleiches gilt für Staaten und Flaggen.Geht es noch jemandem auf den Zeiger, dass im Drumherum der Berichterstattung um den aktuellen Krieg („Konflikt”-Euphemismen stinken!) im Libanon ständig Israel mit den Juden gleichgesetzt wird? Ja, natürlich weiß ich, dass Israel mehr jüdisch ist als zum Beispiel Deutschland christlich. Dass das Judentum für Israel mehr ist als nur die vorherrschende Religion und dass Israel für das Judentum ein Symbol ist. Und dass das Judentum einen schwereren Stand hatte als das Christentum. Aber wenn ich dann lese, dass auch Juden nicht mehr ihre Meinung über die israelische Politik sagen können, weil es dann gleich dessen Existenzrecht und ihre Religion in Frage stellen würde... Bravo!

Es scheint mir, so wie die Hisbollah menschliche Schilde verwendet, verwendet Israel religiöse Schilde zum Schutz nicht vor Bomben sondern vor Kritik. Und das sowohl aus den Reihen von Juden als auch von anderen Staaten. Israel ist aber, welchem Gott auch immer sei Dank, nicht das Judentum, sondern einfach nur ein Staat und dazu einer, der gewaltige Scheiße baut.

Künstlerische Interpretation des neuen Libanonkrieges. Vielen Dank an „The Boy From Cerrado”, dass er seine Bilder unter die Creative-Commons-Lizenz gestellt hat.
Bild von The Boy From Cerrado, unter Creative Commons
Ich selbst habe einmal jemanden kritisiert, weil er sich die Politik Israels ohne konkreten Anlass als Thema eines Smalltalks rausgesucht hatte. Ich finde dazu ist das Thema zu heikel und man kommt nicht zu unrecht bei so einer Aktion viel zu leicht in den Verdacht, ein Antisemit zu sein. Aber wenn Israel wegen offiziell zwei entführter Soldaten einen Krieg anfängt und ganze Stadtteile in Schutt und Asche legt, dann kann man als Jude genauso wie als Nichtjude, als Deutscher genauso wie als Nichtdeutscher sagen, dass man das dieses Verhalten missbilligt. Und wenn man ein Staats- oder Regierungschef ist, sollte man das sogar.

Oh und eine letzte Bemerkung: Wenn ich „Israel” sage, meine ich natürlich den Staat als abstraktes Subjekt, nicht die Menschen, die darin leben und vielleicht genauso wenig davon halten, mit ihrer Regierung identifiziert zu werden, wie ich mit Merkel.

PS: Und bevor ich wieder mehr Prügel kassiere als nötig: Dieser Artikel hat auch nichts damit zu tun, dass ich Israel als Alleinschuldigen hinstellen möchte.

Nachtrag 8.8.: Na was ein Glück, eine kritische Stimme aus dem Zentralrat. Und hier eine gute Übersicht über die Berichterstattung verschiedener Zeitungen. In der Tat finde ich selbst, dass z. B. die taz vielleicht etwas zu einseitig auf Israel einhaut. Nicht dass darüber in Vergessenheit gerät, dass die Hisbollah ein Verbrecherverein ist, der Zivilisten bombadiert und als Schutzschild benutzt. Nur ist Israels Regierung eben ein Verein, der als Reaktion auch Zivilisten bombardiert und die Gelegenheit nutzt, um eine wirtschaftliche Konkurrenz mit Waffengewalt auszuschalten. Ich denke das kann man getrost auch verbrecherisch nennen.