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Frog Blog

2.8.06, 22:56 Uhr

Die Beerdigung

Heute war also die Beerdigung meines die meiste Zeit einzigen Cousins. Ich kann nicht behaupten, dass mir sein Tod jetzt weniger unwirklich vorkäme.

Wie gestern schon gesagt war die Beerdigung in Luxemburg, wohin wir – das heißt meine Großeltern, Frédérics Vater, seine Frau Monique und ich – um halb neun aufgebrochen sind. Trotz einiger Verwirrungen wegen einer Umleitung waren wir noch eine halbe Stunde zu früh und mussten mit vielen anderen, die schon gekommen waren, bis um 10 Uhr vor dem Krematorium warten bis wir rein durften. Das Krematorium war ein bedrückender Backsteinbau unter einer Einflugschneise. Es waren sicher um die 60 Trauergäste da und die zum überwiegenden Teil sehr jung. Also viele Freunde von Frédéric. Das war sehr schön!

Die Zeremonie sollte unreligiös sein, hatte mir meine Oma vorher gesagt. Ein rednerisch geübter Mitarbeiter der Bestattungsfirma, der sich vorher über den Verstorbenen informiert hatte, sollte die Rolle des Priesters spielen. Es gab aber offenbar eine Planänderung, sodass ein rednerisch ungeübter Mitarbeiter der Kirche, der sich vorher nicht die Bohne informiert zu haben schien, den Job übernommen hat. Für die Zeremonie Variante „Religion, katholisch” war auch ein sterbender Jesus am Kreuz in messingener Garderobenständeroptik hereingefahren worden. Ein an sich schönes, aber leider digital nachbearbeitetes Foto zierte das Rednerpult, daneben stand auf einer niedrigen Steinplatte eine unangemessen funktional aussehende Urne. Auf den Rand der Steinplatte waren die Blumen und ein paar Kerzen verteilt. Diese Lieblosigkeit in den Details fand ich ziemlich schade.

Die wenig ergreifende Rede wurde auch nicht gefolgt von persönlicheren Worten naher Verwandter und guter Freunde. Dabei hätte ich sehr gerne ein paar der versammelten Freunde gehört. War aber nicht vorgesehen.

Bei der Beerdigung meiner Uroma war alles inklusive Gebäude waschecht katholisch, trotzdem hat der Pfarrer die Nichtgläubigen explizit aufgefordert, doch statt des Weihwasserkreuzes eine Geste ihrer Wahl zu machen, um sich persönlich zu verabschieden. Bei dieser kurzfristig christianisierten Feier war davon aber keine Rede, also hat es auch keiner getan. Und meine Auffalltoleranz war da überschritten, ich wollte nicht der erste sein, der aus der Reihe tanzt. Zumal auch noch dagegen sprach, dass man fast nichts anderes machen konnte. Bei meiner Uroma konnte man den Sarg berühren, bei Frédéric stand die wie gesagt nicht sehr zierende Urne außer Reichweite.

Und hätte der Priester bei meiner Uroma um diese christliche Geste gebeten, hätte ich das sogar noch verstehen können, denn meine Uroma war religiös. Wenn demjenigen so eine Geste etwas bedeutet hätte, dann bitte. Aber so hat sie weder mir noch Frédéric etwas bedeutet und mich nur daran gehindert, mich vernünftig zu verabschieden, auch wenn ich nach dem Rumspritzen noch einen Moment verweilt bin, ungeachtet der Nachrückenden.

Schön hingegen war, dass während dieser Einzelverabschiedung sein Lieblingsstück gespielt wurde, auch wenn es „unangemessene” Technomusik war.

Danach waren wir in eine Kneipe in Trier geladen, die ausgesprochen hübsch eingerichtet war und überhaupt ein angenehmes und freundliches Ambiente hatte. Dort lief auch dezente aber schöne Musik und es gab ein gutes Buffet. Leider war es schwierig, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, aber ich habe mich stattdessen mit meinem Onkel Rainer und Monique sehr angenehm unterhalten. Und da das letzte Mal als Kind war, war das in dieser Form völlig neu. Das war wirklich sehr schön.

Die beiden mussten aber dann auch schnell wieder aufbrechen, um ihren Flieger noch zu kriegen. Genau wie bei Peter wartete auch bei denen die Arbeit leider nicht. Also sind wir nach anderthalb ungefähr dann wieder aufgebrochen und zurück zu meinen Großeltern.

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