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Frog Blog

27.1.06, 16:47 Uhr

Heißwasserlotto

Meine Herren, gestern war ein Tag, ich bin überhaupt nicht zum Bloggen gekommen. Dann muss ich das heute wohl nachholen: Also der gestrige Tag war alleine deshalb schonmal etwas weniger belastbar, weil ich am Abend vorher ja auf einer Party in Torcy war. Und endlich mal wieder auf einer richtig guten :) Es waren schön viele Leute da und vor allem sind auch viele noch länger als bis halb eins geblieben, sodass ich nicht wieder meine Entscheidung bereut habe, den letzten Zug nicht zu nehmen. Außerdem waren sogar vier Franzosen da (das ist viel), was natürlich immer besser ist, um was zu lernen. Dabei ganz lustig: Eine davon, Caroline, war übrigens halb Deutsche (mütterlicherseits), hat, im Gegensatz zu mir und dem Französischen, als Kind sogar Deutsch gelernt, allerdings hat ihre Mutter wohl so ab dem sie vier war aufgehört, Deutsch mit ihr zu sprechen und sie hat es verlernt! Ich wusste gar nicht, dass das so einfach geht. Das ist ja fast noch bitterer, als es gar nicht erst gelernt zu haben. Auf jeden Fall hab ich mich interessant mit denen Unterhalten, unter anderem über die licence globale, über Sprachen und über Paris und dass es im Grunde den Franzosen hier so geht wie so vielen Leuten, dass sie nämlich durch die halbe Welt reisen, aber die touristischen Attraktionen vor ihrer Haustür einfach ignorieren, wenn sie nicht schulischerseits darauf gestoßen werden.

Später gab es dann das muntere Schauspiel des Balzverhaltens um eine neue Ungarin herum, die sehr hübsch und sehr betrunken war und wahrscheinlich aus beiden Gründen gleichermaßen von so ziemlich jedem ungebundenen (und ein paar anderen) männlichen Wesen am Platz angeflirtet bis angegraben wurde. Oder wie es ein Spanier, der nicht namentlich genannt werden möchte, zu fortgeschrittener Stunde unheimlich platt, aber gerade dadurch umso treffender, auf den Punkt brachte: „Everybody wants to fuck her. Me, too.”
Fragt mich im Übrigen nicht, warum er das auf Englisch gesagt hat, Englisch zu sprechen ist eigentlich ziemlich unüblich unter den hiesigen Erasmus. Wie auch immer war ich jedenfalls froh, dass ich schon vergeben bin! Sonst hätte ich mich unter Garantie auch an diesem entwürdigenden Schauspiel beteiligt und das wär ja nicht schön gewesen. Zumal sie am Ende übrigens doch alleine ins Bett gegangen ist ;)

Apropos ins Bett gehen, das hab ich dann so gegen vier auch gemacht, nachdem wir das Foyer, in dem zuletzt gefeiert wurde (die Spießer, die die an die viel gemütlicheren Flure angrenzenden Wohnungen bewohnen, wollen immer schlafen, deswegen müssen wir da früher oder später immer weg) aufgeräumt haben, weil wir zu den letzten gehört haben. Ich habe wie bei den beiden letzten Malen bei Miklós geschlafen (auch aus Ungarn, aber männlich). Der Komfort wurde aber sukzessive gesteigert, erst zwei Teppiche, um den Boden abzufedern, dann eine echte Isomatte und jetzt zuletzt sogar eine von einer Spanierin geliehene Luftmatratze. Jaha! Das war sogar so eine Doppelmatratze, sodass der Raum fast zu klein war, um sie unterzubringen. Außerdem lag keine vernünftige Anleitung bei und ich war nicht weise genug, die Besitzerin zu fragen, als ich noch die Gelegenheit hatte. Fataler Fehler, wie sich dann herausstellen sollte. Ich habe nicht genau auf die Uhr geguckt, aber ich habe mindestens eine halbe Stunde damit zugebracht, mein Nachtlager vorzubereiten. Die Freiheitsgrade, die mein alkoholisiertes Hirn überfordert haben: Drei Teile an der Matratze und drei an der Luftpumpe, wovon ich aber bis zuletzt nur zwei entdeckt habe. Und genau hierin lag natürlich das Problem. Zumal ich zwischendurch dann in meiner Verzweiflung auch noch des Ventil demontiert habe und das dann wieder mit einem Kuli reparieren musste. Wisst ihr, so ein Gummipinöpel, der an einer Stelle sägezahnförmig etwas dicker ist, damit er nicht so einfach aus dem Loch geht, in dem er gesteckt hat und noch schwerer wieder zurück. Und als ich endlich alles richtig ineinander gesteckt hatte, war ich mir darüber nicht so schnell im Klaren, weil die Fortschritte beim Pumpen zunächst kein bisschen zu sehen waren. Naja, ich hab's dann aber noch irgendwie geschafft und ganze vier Stunden geschlafen, dann bin ich nach Hause gefahren, wo meine Oma mir angeraten hat, mich nochmal ne Stunde aufs Ohr zu hauen, damit ich nicht direkt einpenne in der Vorlesung, die ich später am Tag noch hatte. Dem Rat bin ich nur zu gerne gefolgt und als ich dann wieder aus dem (deutlich komfortableren) Bett gekrabbelt bin, hatte meine Oma schon was zu essen heiß gemacht. Voll lieb! Und es kam so gelegen, weil ich eigentlich wirklich Hunger hatte, aber keine Zeit mehr, noch groß zu frühstücken. Also das tat so richtig gut :)

Die Vorlesung hab ich dann trotzdem nur mit einem Mokkachino überlebt (also doch keine Wortschöpfung von dem armen Verunglückten, wie ich erst dachte, das heißt wirklich so), der zwar überhaupt nicht schmeckte, weil ich doch keinen Kaffee mag, aber geholfen hat er trotzdem.

Auf dem Nachhauseweg kriege ich dann plötzlich eine SMS (Kann man SMSe auch nicht plötzlich kriegen? Egal.) von einem deutschen Handy, dessen Nummer ich aber nicht kannte:


Hallo Christian, wollen heut Abend zum Chinesen in der Nähe vom Hotel.
Hast du Zeit und Lust?


„Was zur Hölle?”, dacht ich mir dann spontan, weil ich überhaupt keine Ahnung hatte, wer das sein könnte, welches Hotel gemeint sein könnte und wenn nicht mein Name darüber gestanden hätte, hätt ich das wahrscheinlich für nen Fall von „falsch verbunden” gehalten. Naja, weitere SMS-Nachrichten haben dann aufgeklärt, dass es sich dabei um Melli gehandelt hat, einer Arbeitskollegin von Dani, die auch Silvester da war und die ich auch von anderen Gelegenheiten her schon kannte. Melli war in Paris, weil hier eine Messe ist, wo sie dekorieren muss. Eigentlich sollte den Job Dani machen, was mir natürlich noch deutlich lieber gewesen wäre, aber wegen ein paar firmeninterner Hässlichkeiten wurde daraus leider nichts.

Auf jeden Fall bin ich dann kurz zuhause vorbeigesprungen und dann gleich wieder los, weil das Hotel am Gare de l'Est lag und das ist am anderen Ende von Paris. Aber der Stress hat sich gelohnt, das war eine sehr nette Idee und irgendwie ein bisschen surreal, dass man sich mal grade so in Paris über den Weg läuft. Auf jeden Fall aber ein schöner Abend und die Kollegen, die noch dabei waren, waren auch sehr umgänglich und lustig. Im Bett war ich dann aber wieder erst um eins, weil wir dann nach dem Chinesen noch in der Hotelbar eingekehrt sind. Und das Klo in dem Hotel war ganz große Klasse, das hatte nämlich so einen Einhandmischer als Wasserhahn, sprich so einen Hebel, wo man Wassermenge und -temperatur bequem einsellen kann. Das mit der Temperatur war auch nötig, weil das Wasser erst viel zu heiß da raus kam. Aber habt ihr so einen Wasserhahn schonmal erlebt, wo es nach rechts hin heißer und nach links hin kälter wird? Ich kannte das nur umgekehrt und es hat etwas gedauert, bis ich wirklich überzeugt war, dass ich es immer nur noch schlimmer mache, wenn ich versuche, gegenzusteuern. In der Runde waren dann die Meinungen unterschiedlich, ob die Wasserhähne auf den Zimmern richtig- oder falschrum wären. Wenn sich keiner verhauen hat, hat dieses Hotel wohl so eine Art Warmduscher-Version von Russisch Roulette erfunden ;)

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